Kolumne: Ich klingele, Sie auch?

Es ist schon seltsam wie klein sich viele Menschen machen. Gut, wir neigen sowieso dazu. Doch ein Erlebnis heute morgen verursachte Stirnrunzeln und ein Lachanfall zugleich. Denn so einfach ist man(n) ein Handy…

Heute früh: Zwei Kollegen von mir saßen sich in der Redaktion gegenüber. Dann passierte was man allzu oft im Alltag erlebt: ein Handy klingelte. Und dann kam der legendäre Satz: „Stopp, ich klingele“. „Wie? Du klingelst?“, fragte ich mich schmunzelnd. Natürlich wusste ich, dass der nette Kollege dem anderen nur darauf hinweisen wollte, dass er nicht extra sein Handy rausholen müsse. Nett, aber komisch ist es trotzdem!

Die Deutschen neigen sowieso dazu, sich selbst zu Gegenständen zu machen. Im Alltag gibt es zig Beispiele dafür:

Das Auto von Herr Mayer steht an einer Laterne. Dann die Frage eines Freundes: Wo hast du denn geparkt? Die Antwort: „Ich stehe an der Laterne“. So, so. Man(n) steht an der Laterne. Zum Austreten oder wie?

Oder auch im Krankenhaus wird der Patient und dessen Krankheit schnell zum Gegenstand gemacht. So hört man oft: „Die Leber liegt auf Zimmer 5“. Urkomische Vorstellung bei der Tatsache, dass eine Leber in einem Zimmer so alleine herumliegt – Wahnsinn!

Und auch der Baumarkt ist oft Bühne dieser ungewollten Komik: Ein Kunde möchte gerne eine Beratung haben und trifft jedoch auf den falschen Angestellten. Dieser verweist dann direkt weiter: „Ich bin Werkzeuge, mein Kollege ist Holz“.

Und, und, und. Menschen machen sich eben nun mal gerne zu Gegenständen – nur den Meisten fällt es nicht auf.

In diesem Sinne: Entschuldigung, ich muss weg, ich klingele…

Ein Artikel von Denis Kräupziger

29. November 2006

Archiviert in: Lebensnah, Specials, Kolumnen

3 Kommentare Kommentar hinzufügen

  • 1. Chrissie  |  29. November 2006 um 20:48

    voll tolll supa gemacht *knuff* echt goil *wegschmeiß* Chrissie

  • 2. airbrush  |  29. November 2006 um 23:06

    Hallo.
    Ja, wirklich gut geschrieben, kann meinem Vorschreiber (meiner Vorschreiberin??) da nur zustimmen.

    Aber mit dem Autor stimme ich in einem Punkt nicht überein - mir ist es schon öfter aufgefallen.
    Dann denke ich mir zum Beispiel “der ist nicht Werkzeug, der ist auch nicht Holz, der ist n Holzkpf”, mache mir also in Gedanken klar, wie unsinnig des eigentlich ist.

    Aber auch ich selber mache es manchmal ganz bewusst, mich “zu verdinglichen”. Auch, wenn ich mir über den Schwachsinnsgehalt solcherlei Aussagen bewusst bin, klingt es doch lustig und sorgt, wenn es andere merken, für Erheiterung.

  • 3. Michael Beil  |  1. Dezember 2006 um 14:12

    Hey, Denis!

    Bin ja ganz begeistert über die Veränderung, wie kommt’s?!

    Gefällt mir sehr gut, drücke Dir die Däumchen zum Erfolg,

    Grüße, Michael

    (Ex-Kolumnist…)

    ;-)

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