Lirum-larum-Löffelstil: Bringt der Silberlöffel im Sekt etwas?

Bald steht Silvester vor der Tür. Das Feuerwerk liegt im Keller bereit, die Gäste sind geladen, das Buffet wurde bereits vor Wochen geplant. Der Sekt steht im Kühlschrank.
Doch lange vor Mitternacht kommen die ersten Gäste. Man unterhält sich über das zurückliegende Jahr und schwelgt in Erinnerungen.

Da die Atmosphäre gerade so toll ist, wird kurzerhand eine Sektflasche geöffnet und fleißig eingeschenkt. Die Stimmung steigt und nach einiger Zeit einigt man sich, den Sekt wegzustellen. Man muss am Abend ja schließlich auch noch einiges verkraften.

Nun ist die Sektflasche jedoch noch nicht ganz leer – was tun? Der Sekt soll ja nicht schal werden. War da nicht der Trick mit dem Silberlöffel im Flaschenhals, der die Kohlensäure in der Flasche hält? Funktioniert dies wirklich?

Foto: Frauenhofer InstitutDieser Frage ist man im Laufe der vergangenen Jahre auch auf Seiten der Wissenschaft mehrfach nachgegangen. So berichtete eine französische Zeitung im März 1987 von einem entsprechenden Experiment.
Wissenschaftler entnahmen in dem Versuch sechs Champagnerflaschen jeweils ein Glas des prickelnden Inhaltes. Dann stellten sie zwei Flaschen wieder mit aufgestöpselten Korken in den Kühlschrank. Zwei Flaschen kamen ohne Verschluss in die Kühlung. Und die letzten beiden Flaschen wurden mit Silberlöffel im Flaschenhals kühl gestellt.

Nach 24 Stunden wurde der Kohlensäuredruck gemessen. Dieser gibt an, wie viel Kohlensäure noch in der Flüssigkeit gelöst ist. Alle Flaschen verloren Kohlensäure, am wenigsten jedoch die Verschlossenen. Der Löffel zeigte also keine Wirkung.

Jahre später wurde jedoch auch diese Erkenntnis widerlegt.
In der ARD-Quizsendung „Kopfball“ wurde das Thema experimentell aufgegriffen. Zwei angebrochene Flaschen wurden über Nacht in den Kühlschrank gestellt - eine mit und eine ohne Löffel.
Am nächsten Tag wurde die gesamte Kohlensäure durch Erhitzen aus den Flaschen „herausgedampft“ und das Volumen der Kohlensäurewolke gemessen.

Die Flasche mit Löffel setzte dabei mehr Kohlensäure frei. Es musste also vorher noch mehr in der Flasche gewesen sein. Dies lag scheinbar daran, dass der Löffel mehr Wärme aus der Flasche geleitet hatte. Darum wurde die Flüssigkeit in dieser Flasche schneller kalt. In Kälte löst sich Kohlensäure wesentlich besser als im Warmen.
Tatsächlich war die Flasche mit Löffel einige Grad kälter als ihre Löffellose. Der Mythos ist also wirklich wissenschaftlich belegbar.

Jedoch sind diese Effekte sehr klein. Auch mit Löffel wird der Sekt also nicht wesentlich besser schmecken. Am besten bis Mitternacht mit dem Öffnen warten…

Ein Artikel von Jan-David Wasem

28. Dezember 2006

Archiviert in: MehrWissen

2 Kommentare Kommentar hinzufügen

  • 1. Kim  |  28. Dezember 2006 um 01:51

    Ich find den Artikel echt gut. Wusste garnichts von dem Löffel im Sekt ist schon faszinierend. Aber mit dem warten bis Mitternacht ist wohl wirklich am besten ;)

  • 2. Mimmy  |  28. Dezember 2006 um 19:53

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dieser Löffel nur Wunder wirkt, wenn man den Sekt dann auch wirklich kühl stellt! Ohne Kühlung verliert der Sekt trotzdem Kohlensäure auch wenn ein Löffel drin ist!
    Also doch lieber erst eine Flasche aufmachen und trinken und dann weitersehen … ;)
    Liebe Grüße

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