Kolumne: Ein filmreifer Zickenkrieg
Es ist schon erstaunlich welche Dinge so passieren, die für einen selbst völlig harmlos scheinen, aber einen anderen Menschen zur Weißglut bringen. Blöd wenn man diese Wut dann irgendwann zu spüren bekommt und nicht so recht weiß, was eigentlich los ist.
Ich weiß jetzt warum ich meine Männerfreundschaften so pflege und dass ihr Männer mit manchen unserer Art gar nicht klar kommen könnt…
Frauenfreundschaften sind im Allgemeinen was Schönes: Man kann sich gemeinsam “Sex and the city” oder “The L-Word” anschauen, ein Weinchen trinken und über Gott und die Welt ablästern, ohne sich sonderlich schlecht dabei zu fühlen. Es gibt Momente da weiß man einfach, dass man sich nah steht, weil man schlicht der gleichen Spezies angehört - der unerklärlichen Spezies Frau. Aber früher oder später kommt das Unvermeidliche: Der Moment in dem ein Zickenkrieg ausbricht.
Ich selbst würde mich als unkompliziert beschreiben - jetzt schreien wahrscheinlich alle Männer auf und rufen: Es gibt keine unkomplizierten Frauen! Aber Fakt ist, wenn ich einer Freundin gegenüber sitze und mich auf einmal wie ein Kerl fühle, stimmt irgendetwas nicht!
Es entspricht im Großem und Ganzen dem Zahnpastatuben-Klischee, was mir passiert ist. Eine einfache Kleinigkeit die nicht in den Kram passt, die für jede zweite Frau kein Grund zur Eskalation wäre, die aber dennoch zur Sprache kommt und eine filmreife Diskussion auslöst.
Man selbst sitzt dort, lächelt ein wenig in sich hinein und schlägt gedanklich seinen Kopf gegen ein passendes Möbelstück. Dann ist der Punkt erreicht in dem man erkennt: Ihr Männer habt es nicht leicht mit uns.
Ganz fatal ist es wenn das Streitobjekt ein von beiden anvisierter Mann ist - da fliegen die Fetzen! Aber was will man machen, wenn der Kerl nun mal kein Auge auf die Freundin geworfen hat, sondern auf einen selbst. Soll man ihn einer Gehirnwäsche unterziehen, damit man sich solidarisch korrekt verhält?
Natürlich sollte man die Grenzen der Freundschaft nicht zu sehr strapazieren, doch manches Mal sollte man sich doch wirklich fragen, was es Wichtigeres auf der Welt gibt.
Da lob ich mir die Männer, da gibt es meistens doch einen ausschlaggebenden Grund, damit sie sich die Köpfe einhauen. Und spätestens wenn sie schweißgebadet und mit zerrissenen T-Shirts auf dem Boden liegen, ist die Luft raus. Sie vertragen sich und gehen zusammen ein Bier trinken.
Aber vielleicht brauchen wir Frauen diesen kleinen, aber feinen Zickenkrieg - schließlich reden wir fünf Mal so viel wie Männer. Da muss man diese geballte Diskussionsfreude ja irgendwo unterbringen!
Doch wenn man als Frau mal unkompliziert ist, wird es mir von den Männern zu wenig geehrt. Denn mal ehrlich: die meisten mehr oder weniger glücklichen Paare haben eine Zicke im Boot.
Also liebe Zicken, nehmt euch ein Beispiel an den Männern, werdet relaxter, das Leben ist einfach zu schön dafür. Und ihr Männer solltet dankbar für eine unkomplizierte Frau sein. Hängt euch also nicht ständig an diese klapperdürren Plappermäuler, die euch euer Dasein zu Hölle machen.
Ein Artikel von Annette Weber
5. Februar 2007
1 Kommentar Kommentar hinzufügen
1. Jan Freimann | 6. Februar 2007 um 19:37
Ein wirklich treffender Artikel !
Leider sind umkomplizierte Frauen - zumindest scheint es so - eine wirkliche Rarität in der heutigen Zeit und von der Männerwelt heiß umworben.
Umso schöner ist es doch, wenn man ein solches Exemplar für sich gewinnen kann und seinen Kopf gegen den der Partnerin “drückt” anstatt das Sie mit ihrem Kopf die Tischplatte, Typ”Jörg”, der neusten Ikea-Kollektion zerdeppert.
Nieder mit den Zicken, es lebe der “Kumpeltyp” Frau!
Jan Freimann
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