Kolumne: Ich meld mich morgen!
In den ersten Wochen einer heranwachsenden Beziehung zwischen zwei frisch verknallten Menschen entscheidet sich einiges in nur wenigen Sekunden. Man spaziert täglich wie auf Drogen durch die Weltgeschichte und bekommt entweder überhaupt gar nichts mehr von seinem Umfeld mit oder reagiert sehr sensibel auf Veränderungen.
Aber noch viel wichtiger als die tausend Schmetterlinge im Bauch ist das aneinander heranpirschen der beiden Hauptdarsteller in Bezug auf das alltägliche Leben. Zum Beispiel das Kennenlernen wie zuverlässig der Andere ist, Vertrauen aufzubauen, ihn morgens nach dem Aufwachen zu beobachten oder nie geahnte Techniken des Zähneputzens zu entdecken.
Für mich persönlich entscheiden die Zuverlässigkeit und das Voranschreiten des Vertrauens über den Aufbau oder schnellen Fall einer Beziehung.
In Zeiten von Handy, E-Mail oder Chats wird das schon vorhandene Verlangen den auserkorenen Liebsten regelmäßig zu kontaktieren noch zusätzlich angeheizt. Es ist zur Selbstverständlichkeit geworden, auf eine geschriebene SMS eine Antwort zu erwarten und das am besten sofort. Geschieht dies nicht, kriechen ins Gehirn, insbesondere ins Weibliche, die ersten Zweifel und Szenarien, warum der Angebetete sich denn nicht meldet.
Sollte man zwischendurch von seinem Trip herunter kommen und über seine ersten Beziehungen nachdenken, fern ab von so viel Technik, bemerkt man schnell, dass das früher sehr viel entspannter war.
Da hat man sich halt einen Tag mal nicht gesprochen oder gesehen - ja und? Das Vertrauen war trotzdem vorhanden. Doch mit der technischen Entwicklung findet auch eine Weiterentwicklung eines Selbst statt - man wird älter, muss ein paar unschöne, zwischenmenschliche Geschichten in seinen Lebenslauf packen und wird vorsichtiger.
Plötzlich reicht es aus, auf eine einzige SMS keine Antwort zu erhalten, um innerlich tausend Tode zu sterben. Dies ist meines Erachtens vor allem ein weibliches Phänomen - Männer scheinen da immer noch so gelassen zu sein wie in der Steinzeit.
Wir Frauen stellen uns Szenarien vor, die selbst Hollywood nicht besser auf die Leinwand bringen könnte. Und was kommt am Ende dabei heraus, wenn sich der Liebste mal nicht gemeldet hat? Eine simple Kleinigkeit, die überhaupt nicht zum Tragen gekommen wäre, hätten wir nicht so durchgedreht.
Aber liebe Männer, ihr kommt hier auch nicht ganz unschuldig aus der Nummer heraus. Denn ihr habt es besonders gut drauf, Dinge zu sagen, die für uns Frauen wie ein Versprechen klingen. Der Spruch: “Ich meld mich morgen!” heißt für uns, ihr meldet euch morgen - Punkt! Und wenn ihr das dann nicht macht, ist die Kacke am Dampfen!
Wieder mal eine Nacht voller Unwohl sein, die neu aufkeimende Beziehung wird in Frage gestellt und die letzten Wochen würde man am liebsten aus dem Gehirn streichen.
Reißt euch doch einfach zusammen und verzichtet auf den Spruch. Dann habt ihr einen netten Abend und wir weniger Kinofilme im Kopf.
Ein Artikel von
Annette Weber Kommentar hinzufügen 14. März 2007