Online Roman “Letzte Worte”: Das erste Kapitel
Deutschland liest gerne. Vor allem Jugendliche greifen wieder mehr zum Buch. Das zeigen diverse aktuelle Studien. theCliX.com schließt sich dem Trend an und bringt - passend zum Start der Leipziger Buchmesse - den ersten Roman online.
“Letzte Worte” - so der Name des Online Romans von Marc Wulfers - erzählt die spannende Geschichte um Jack Dawson. Tauchen Sie ein, in eine Welt von Geheimnissen, Verbrechen, emotionalen und grausamen Momenten. Jede Woche gibt es ein neues Kapitel.

1. Kapitel: JACK
Mein Name ist Jack. Jack Dawson. Aber mein Name spielt keine Rolle. Namen haben für mich keine Bedeutung mehr. Spielfiguren haben schließlich auch keine Namen. Denn das ist es, was ich geworden bin: eine Spielfigur, die sich nach den Würfeln richtet, die derjenige wirft, der mit einem spielt. Aber ich werde nicht über Los gehen und keine 200 Dollar einziehen, im Gegenteil. Ich habe verloren und bin pleite. Dies sind die letzten Worte, die ich je schreiben werde.
Alles begann vor einer Woche. Bis zu jenem Tag hatte ich ein normales Leben geführt, war nie polizeilich aufgefallen, war ein ordentlicher, rechtschaffener, sauberer und arbeitender Mann Mitte zwanzig gewesen, der in der Blüte seines Lebens stand. Wie sehr man in einer Woche doch altern kann! Ich arbeitete bei einer großen Versicherungsgesellschaft und hatte damit gerechnet, nach ein paar Jahren so viel Geld gespart zu haben, dass ich mir ein hübsches kleines Haus an der Ostküste leisten konnte - und später eine Frau, vielleicht zwei Kinder, einen Geländewagen, zweimal Urlaub im Jahr. Aber diese Dinge sind jetzt sehr weit weg. Meine Ziele sind bescheidener geworden. Oder auch höher, es kommt darauf an, wie man es betrachtet. Im Moment jedenfalls bin ich schon froh, wenn ich es irgendwie schaffe den nächsten Sonnenaufgang mitzuerleben. Sie werden mir sicher zustimmen, wenn ich Ihnen sage, dass ein Sonnenaufgang etwas Wunderschönes ist. Der Tag füllt sich mit Licht, das in alle Ritzen dringt und das Dunkel der Nacht, in denen unsere Geheimnisse uns zu schaffen machen, einfach wegwischt, und damit auch unsere dunklen Gedanken. Ein Sonnenaufgang hat viel Romantik an sich. Aber in meinem Fall ist es ein wenig anders. Wenn ich die Sonne aufgehen sehe, ist es, als habe ich das Versprechen bekommen, noch einen weiteren Tag leben zu dürfen. Und ich bete jede Nacht darum, noch einen weiteren Tag geschenkt zu bekommen. Doch jede Nacht schwindet die Hoffnung mehr und mehr. Letzte Nacht konnte ich spüren, dass meine Verfolger schon sehr nahe waren. Sie ziehen einen Kreis um mich, der jeden Tag enger wird.
Seit drei Tagen bin ich nun schon auf der Flucht vor ihnen, verstecke mich in verlassenen Häusern, esse Früchte aus dem Wald, wasche mich an Bächen. Und seit drei Nächten habe ich kein Auge zugetan. Die letzte Nacht verbrachte ich im Keller eines verlassenen Bauernhauses. Manchmal döste ich in der völligen Dunkelheit ein. Dann schrak ich jedes Mal auf, weil ich dachte, über mir Schritte auf den Holzdielen gehört zu haben. Es ist schwer, einen Schrei zu unterdrücken, wenn man von vollkommener Angst beherrscht wird. Meine Hand fährt mittlerweile automatisch zu meinem Mund, wenn ich schreien will.
Ich spüre, wie meine Kräfte schwinden. Lange werde ich das nicht mehr durchhalten können, das weiß ich. Und dann, wenn sie mich schließlich gefunden haben, werde ich eine leichte Beute sein. Der Wahnsinn kriecht in meine Eingeweide, ich kann ihn fühlen, wie er sich ausbreitet, als wäre er ein Krebsgeschwür. Während ich dies schreibe, driften meine Gedanken immer wieder ab. Ich kann mich kaum konzentrieren, was wohl auch daran liegt, dass es bald dunkel sein wird. Die Nacht wird bald wieder über mir sein. Wenn ich aus dem dreckigen Fenster blicke, sehe ich, wie die Bäume unheimliche Schatten werfen. Mir ist, als lauere in jedem dieser Schatten eine schreckliche Kreatur, die mich beobachtet. Ich kann mich kaum erinnern, wie ich in diesen Wald geraten bin. Ich muss die Fensterläden schließen, denn ich ertrage es nicht, zu sehen, wie die Dunkelheit in alle Ritzen kriecht. Vielleicht finde ich hier auch irgendwo eine Kerze…
Tatsächlich, ich habe eine Kerze gefunden, aber sie wird bald heruntergebrannt sein. Das heißt, dass ich mich beeilen muss. Ich werde mich bemühen, ordentlich zu schreiben, auch wenn meine Hände zittern und meine Augen zufallen wollen. Ich habe nicht die Hoffnung, dass dies jemals gefunden wird. Aber falls doch… Vielleicht ist es anderen eine Warnung.
Ein Gewitter ist aufgezogen. Der Regen trommelt auf das löchrige Dach. Ich werde in den Keller gehen müssen, damit meine Schrift nicht von den Regentropfen verwischt wird. Der Keller wird mich nicht vor ihnen schützen, aber ich fühle mich dennoch ein klein wenig sicherer dort. Wenigstens kann man die Luke von innen verriegeln.
Meine Eingeweide verkrampfen sich, mir ist übel und die Erschöpfung will mich in ihre Arme schließen. Aber ich darf nicht zulassen, dass sie mich schlafend finden. Ich weiß, dass sie heute Nacht kommen werden; ich spüre es. Das Gewitter erscheint mir wie ein Omen.
Ich habe in der Kellerwand einen lockeren Ziegel entdeckt, hinter dem ich diese Seiten verstecken werde. Gebe Gott, dass ich fertig mit Schreiben bin, bevor sie mich gefunden haben.
Ich muss mich beeilen, der Kreis, den sie ziehen, wird immer enger. Gleich der Schlinge des Galgens, die sich um den Hals des Opfers schließt. Mein Henker wird jedoch nicht barmherzig sein. Ich werde lange zappeln müssen, bevor ich Erlösung finde…
Wie es weitergeht, erfahren Sie im 2. Kapitel unseres Online Romans “Letzte Worte”. Kapitel 2 erscheint am 29.März!
Nehmen Sie aktiv teil: Wie finden Sie den ersten Teil? Wie könnte er weitergehen? Was würden Sie sich wünschen? Alles können Sie in unsere Kommentare schreiben.
Ein Artikel von Marc Wulfers
22. März 2007
Archiviert in:
Specials, Online Roman
1 Kommentar Kommentar hinzufügen
1. cks fyona | 9. Juli 2007 um 19:32
nice the all chap you write
I don’t understand German, so I prefer put a presence of me(I’m not so well in english…lol)
so hummm,
sayonara ^^
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