“Letzte Worte” - Diesmal: 2.Kapitel DIANE

Nachdem am vergangenen Donnerstag der erste Teil der ersten Online Romans erschien, geht es nun weiter mit “Letzte Worte” - eine spannende Geschichte um Jack Dawson. Lesen Sie hier das zweite Kapitel…

Letzte Worte - der Online Roman

2. Kapitel: DIANE

Es war Sonntagabend, genau vor einer Woche, als ich sie traf. Ich hatte den ganzen Vormittag im Bett gelegen und dem Herbstregen gelauscht, der gegen die Scheibe meines Schlafzimmerfensters trommelte. Es gab keine Veranlassung aufzustehen. Ich hatte nichts zu tun und war erst am Abend mit Richard verabredet, der mir seine neueste Eroberung vorstellen wollte. Eigentlich mochte ich es nicht, zu dritt essen zu gehen. Besonders wenn man mit einem Pärchen essen geht, kommt man sich oft überflüssig vor. Aber Richard war unerbittlich gewesen. “Sie ist großartig, du wirst sie mögen”, hatte er mir am Telefon versichert. Das bezweifelte ich. Richard war ein Windhund und sein Interesse für Frauen verebbte meist nach kurzer Zeit wieder.

Nach zwölf Uhr war ich aufgestanden, hatte geduscht, gefrühstückt und bis zum Abend gelesen. Um acht Uhr hatte ich mich auf den Weg ins “Wellingtons” gemacht, einem schicken und völlig überteuerten Restaurant, das nur ein paar Blocks entfernt war, und in dem ich mit Richard und seiner neuen Flamme verabredet war. Es regnete immer noch, als ich aus dem Haus trat. Ich hatte keinen Schirm mit und ging schnell, sodass ich zwanzig Minuten vor der vereinbarten Zeit da war. Der Oberkellner, der sein Haar streng nach hinten gekämmt hatte und eine rote Weste und einen albern wirkenden, gezwirbelten Schnurrbart zur Schau trug, führte mich an einen freien Tisch, der sich in der Mitte des Saales befand. Ich bestellte mir einen Martini und fühlte mich beobachtet. Ständig schaute ich zum Eingang und die Zeit schien sich zu dehnen. Die Geräuschkulisse, die die verhaltenen Stimmen der anderen Gäste bildete, kam mir unwirklich vor. Lachsgeruch drang mir in die Nase und leise klassische Musik rieselte aus den Lautsprechern an der Decke auf mich herab. Dann klingelte mein Handy und für einen kurzen Moment verstummten die Gespräche an den Tischen in meiner Nähe. Ich merkte, wie ich rot wurde. “Ja?”, sagte ich.

“Ja, Jack? Hier ist Richard. Hör zu, alter Junge, es tut mir leid, aber wir müssen unser kleines Essen zu dritt verschieben.” Er klang irgendwie aufgedreht. Im Hintergrund konnte ich das hysterische Lachen einer Frau hören.

“Warum? Ich warte schon eine ganze Weile auf euch. Hättest du nicht eher bescheid sagen können?”

“Nein, ähm. Es hat sich kurzfristig was ergeben, weißt du. Ich erklärs dir nächstes Mal. Sei nicht sauer, okay?”

Und dann hatte er ohne ein weiteres Wort aufgelegt. “Schöne Bescherung”, flüsterte ich vor mich hin. Ich bezahlte den Martini und ging zur Bar hinüber. Dort setzte ich mich auf einen Hocker, von dem aus ich den Eingang sehen konnte, und bestellte mir einen Whisky. Pur natürlich! Meine Laune war schon so nicht besonders gut gewesen, aber nun verspürte ich geradezu ein Gefühl, das fast Wut gleichkam.

Als ich den zweiten Whisky trank, trat eine Frau durch die Eingangstür, und vertrieb mir plötzlich alle Gedanken an Richard aus dem Kopf. Sie fiel mir sofort auf. Sie war mittelgroß, hatte eine blonde Lockenmähne, blasse Haut, ein ernstes Gesicht und schwebte wie ein Geist durch den Saal. Sie ging zum Pult des Oberkellners, sprach mit ihm, machte ein verärgertes Gesicht und ging dann schnellen Schrittes auf die Bar zu. Sie kam direkt auf mich zu und sah mir dabei in die Augen. Es waren blaue, blasse und traurige Augen. Dann stand sie plötzlich wie eine Erscheinung neben mir.

“Ist hier noch frei?”

Ihre Stimme war fester und tiefer, als es ihr schlanker Körper vermuten ließ. Sie trug ein elegantes schwarzes Abendkleid. Ihre Haut kam mir wie Wachs vor.

“Ja, natürlich. Setzen Sie sich ruhig.”

Sie bestellte sich einen Whisky und steckte sich dann eine Zigarette an. Ich fragte mich, warum sie sich ausgerechnet neben mich gesetzt hatte. Schließlich war die ganze Bar frei gewesen. Ihre Nähe ließ mich unsicher werden. Ich kam mir fast schäbig neben ihr vor, in meinem schlichten Anzug. Dann drehte sie sich zu mir.

“Zigarette?”

“Ja, warum nicht.”

Ich nahm sie und sie gab mir Feuer. Ihre Hände waren sehr schlank und perfekt manikürt. Ich sah keinen Ring an ihnen. “Sie sehen aus, als wären Sie versetzt worden”, sagte sie.

“Und Sie?”, fragte ich.

“Ja.”

“Na ja, das hat ja auch sein Gutes. Sonst hätte ich nicht das Vergnügen, mit so einer bezaubernden Frau hier zu sitzen.”

Sie lachte. Es kam mir vor wie der Klang von Kirchenglocken. Rein und klar.
“Wie ist Ihr Name?”

“Jack-” Ich kam nicht dazu, ihr auch meinen Nachnamen zu nennen.

“Jack. Freut mich. Mein Name ist Diane.”

“Okay. Diane. Das ist ein schöner Name.”

Sie lachte wieder.

Wie es weitergeht, erfahren Sie im 3. Kapitel unseres Online Romans “Letzte Worte”. Aufgrund Ostern erscheint Kapitel 3 erst eine Woche später - am 12.April!

Archiv:
1.Kapitel - JACK

Ein Artikel von Marc Wulfers

29. März 2007

Archiviert in: Specials, Online Roman

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