Online Roman “Letzte Worte” - Drittes Kapitel: ISABELLA
Nach einer kurzen Pause durch Ostern geht es nun weiter mit dem theCliX.com Horror-Online-Roman “Letzte Worte”. Nachdem Jack im zweiten Teil Diane kennen gelernt hat, wird es nun sehr erotisch bei ihr zu Hause. Aber lesen Sie selbst…

3. Kapitel: ISABELLA
Wir gingen zu ihr. Sie sagte, dass sie niemals zu Fremden mit ging. Jedenfalls nicht beim ersten Treffen. Ihre Wohnung befand sich im obersten Stock eines alten Hauses, das dringend eine Renovierung nötig gehabt hätte. Wir waren eine Weile die “Fifth Avenue” entlang gegangen und dann in eine Seitenstraße eingebogen, die in eine andere Welt zu gehören schien. Als wir die Stufen zu ihrer Wohnung hinauf gingen, sagte ich, dass es ungewöhnlich still wäre und fragte sie, ob sie die einzige sei, die hier wohnte.
“Fast. Im zweiten Stock wohnt noch eine alte Frau. Ich habe die Wohnung genommen, weil ich mir momentan nichts besseres leisten kann”, sagte Diana.
Ich wusste selber, dass die Preise in Manhattan astronomisch waren. Auch ich hatte nur eine kleine Zwei-Raumwohnung, für die ich im Monat knapp 800 Dollar hinblättern musste. Ihre Wohnung war dunkel, selbst, als sie das Licht angemacht hatte. Wir saßen in ihrem Wohnzimmer, in dem nur ein altes Ledersofa, ein Sessel und ein Tisch standen. Die Wände waren kahl. Kein Fernseher, keine Stereoanlage, nicht einmal ein Bücherregal. Nicht gerade schön, aber andererseits war ich ja auch nicht hergekommen, um mich häuslich niederzulassen.
Wir hatten den ganzen Abend nur über Belanglosigkeiten geredet. Ich hatte weder erfahren, wo sie herkam, noch, was sie tat oder wie alt sie war.
“Das können wir uns schenken, findest du nicht auch, Jack? Das macht es nur kompliziert”, hatte sie gesagt. Mir war es egal. Mein Interesse an ihr ging nicht über das Sexuelle hinaus. Ich wusste, dass ich sie haben wollte (gab hinterher dem Alkohol die Schuld dafür), und wenn der Weg zum Ziel kürzer war, als sonst, sollte es mir recht sein. Diane hatte zwei Bier aus der Küche geholt und sich dann neben mich aufs Sofa gesetzt. Ich fühlte mich benebelt. Die ganze Atmosphäre hatte etwas Unwirkliches an sich. Als wir uns zu küssen begannen, wurde dieses Gefühl noch verstärkt. Ihre Lippen erschienen mir kalt, ihre Zunge fordernd, als suchte sie etwas. Ich packte sie an den Schultern, aber sie schob mich mit einem Mal von sich.
“Warte. Eines muss klar sein, Jack. Du kannst auf keinen Fall hier schlafen. Wenn es vorbei ist, wirst du gehen.” Sie blickte mich fragend an.
Ich dachte fast, sie wäre wütend, so stechend war ihr Blick.
“Klar”, sagte ich. Es war mehr ein Stöhnen, als eine Antwort. Dann war sie vom Sofa aufgestanden und hatte eine meiner Hände ergriffen. “Komm.” Sie führte mich ins Schlafzimmer, das ebenso kahl war, wie der Rest der Wohnung. Das Bett war der einzige Gegenstand im Raum. Von der Decke hing eine nackte Glühbirne, die rotes Licht in das Zimmer warf. Aber darauf achtete ich nur am Rande. Wir zogen uns aus und als ich damit fertig war, lag sie schon vollkommen nackt auf dem Bett. Ihr graziler Körper sah so zerbrechlich aus, als wäre er aus Marmor gemacht. Ein Teil von mir wollte sie nicht berühren, aber ich tat es doch. Die ganze Zeit über war sie seltsam unbeteiligt. Als ich in sie eindrang, glaubte ich, ein schwaches Stöhnen zu hören, aber ich war mir nicht sicher. Irgendwann achtete ich nicht mehr auf sie und als es schließlich vorbei war und ich neben ihr lag, mit einer Zigarette im Mund, fragte ich mich, was der Sinn dieser ganzen Aktion gewesen war. Es hatte nichts Aufregendes an sich gehabt; ich hätte ebenso gut zu Hause bleiben und das tun können, was ich jeden Abend tat, wenn ich duschte. Diane sagte nichts. Als ich mich zu ihr drehte, hatte sie die Augen geschlossen.
“Diane?” Keine Antwort. Ich fragte mich, was ich überhaupt an ihr gefunden hatte. Im “Wellingtons” war sie mir attraktiv und interessant erschienen. Aber als ich sie nun in diesem kalten Licht nackt neben mir liegen sah, fand ich sie sogar abstoßend. Es war fast so, als hätte sie sich vom schönen Schwan zum hässlichen Entlein zurückentwickelt. Ihre Haut hatte eine graue Färbung angenommen, ihr Körper erschien mir irgendwie verschrumpelt und kleiner, als wäre er verwelkt. Ihr Gesicht sah faltig aus und dunkle Schatten lagen darüber. Aber das konnte ebenso gut Einbildung sein. Das Licht der Glühbirne war sehr schwach. Ich berührte sie an der Schulter, wollte ihr sagen, dass ich jetzt gehen würde. Sie fühlte sich kalt an und nun ekelte ich mich regelrecht vor ihr. Sie wachte nicht auf, aber sie flüsterte etwas im Schlaf. Es war ein Name: Richard. Ich konnte es deutlich hören.
Schnell zog ich mich an. Dann ging ich in das kleine Bad, beugte mich über das Waschbecken und warf mir eine Handvoll Wasser ins Gesicht. Mir war übel. Als ich in den Spiegel sah, schrak ich zusammen und drehte mich blitzschnell um. Ein kleines Mädchen stand im Türrahmen und sah mich an. Sie hatte langes, schwarzes Haar und ihre Augen hatten einen seltsamen Glanz. Das Schlimmste aber war, dass sie vollkommen nackt war und einen alten, dreckigen Teddybären im Arm hielt, dessen eines bernsteinfarbenes Auge an einem Faden herab hing.
“Hallo, Jack.” Ihre Stimme war die einer erwachsenen Frau.
“Wer bist du?” Ich spürte, wie meine Nackenhaare sich sträubten, aber irgendetwas musste ich ja schließlich sagen.
“Mein Name ist Isabella.”
“Gut. Ich muss jetzt gehen, Isabella.”
Sie stand im Türrahmen und sah mich weiter an. Für einen Augenblick hatte ich die verrückte Idee, dass sie mich nicht aus dem Bad lassen würde, aber sie trat beiseite und machte ein trauriges Gesicht, das mir seltsam gespielt aussah.
“Schade. Kommst du bald wieder?”
“Ich… Nein, ich denke nicht.”
Dann ließ ich sie stehen und ging zur Eingangstür der Wohnung.
“Bis bald, Jack”, rief sie mir hinterher.
Dann hörte ich ein Kichern. Ich öffnete die Tür, trat hinaus und schlug sie hinter mir zu. Dann rannte ich die Treppe hinunter und immer weiter, bis ich wieder auf der “Fifth Avenue” war und mich in den Rinnstein erbrach…
Ja und wie es weitergeht, erfahren Sie im 4. Kapitel unseres Online Romans “Letzte Worte”. Kapitel 4 erscheint am 19.April !
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Ein Artikel von
Marc Wulfers 1 Kommentar 12. April 2007