Online Roman “Letzte Worte” - 8. Kapitel: ZU SPÄT FÜR DICH
Nach zwei Wochen Pause erscheint nun ein weiteres Kapitel des Online Romans “Letzte Worte”. Es sollte ein ruhiger Abend für Jack Dawson werden. Doch daraus wurde nichts! Lesen Sie hier, wie es weiter geht…

8. Kapitel: ZU SPÄT FÜR DICH
Nachdem ich die Tür hinter ihm geschlossen hatte, fühlte ich mich zu einem Teil albern, zum anderen haftete Besorgnis an mir. Ich sagte mir aber immer wieder, dass ich das Richtige getan hatte. Es war mir nicht leicht gefallen, Richard von all diesen Dingen zu erzählen. Aber es war dennoch richtig gewesen!
Er war mein bester und einziger Freund und wenn sich alles als Humbug erweisen sollte, was selbstverständlich geschehen würde, so glaubte ich, dass er mir diese kleine Unterhaltung und meine übersteigerte Phantasie nicht übel nehmen würde.
Ich setzte mich ins Wohnzimmer, nahm mir ein Buch und beschloss, mich einfach abzulenken. Doch nach etwa drei Seiten schlug ich das Buch wieder zu. Ich hatte nichts vom Inhalt des Textes mitbekommen. Ich hatte zwar gelesen, aber dennoch ununterbrochen an das Gespräch mit Richard gedacht.
… Diana und Diane, Isabella und Annabella, …
Nur ein Zufall, sagte meine innere Stimme. Du hast das Foto gesehen, sie war es nicht. Ich hatte keine Ahnung, ob das tatsächlich zutraf.
Ich beschloss ein heißes Bad zu nehmen. Das würde mich beruhigen und mir beim Einschlafen helfen. Zwanzig Minuten später lag ich in der Wanne, von Dampfwolken umgeben, und schwitzte. Vielleicht kannst du deine kranken Gedanken einfach ausschwitzen, dachte ich. Ein kurzes und abgehacktes Lachen drang aus meiner Kehle. Sein Klang gefiel mir überhaupt nicht. Es klang wie das Gegacker eines alten senilen Mannes. Ich schloss die Augen und was dann geschah, können Sie sich wahrscheinlich denken… Ich schlief ein! Und hatte wieder einen Traum…
Ich war wieder in der Wohnung von Diane. Diesmal befand ich mich im Bad und lag in der Wanne. Dampfwolken schwebten durch den kleinen Raum. Regen trommelte gegen das Milchglasfenster. Isabella saß nackt auf dem Wannenrand und schaute mich traurig an. Sie hatte wieder den Teddybären im Arm. Mittlerweile sah der gar nicht mehr gut aus! Nicht allein, dass ihm die Augen herunterhingen, nein, er war vom Hals an aufgerissen und sein weißes Innenleben quoll aus dem Schlitz hervor. Isabella streichelte ihm den Kopf. “Was tue ich hier?”, fragte ich sie. Sie blickte mich an. Ihre Augen waren voller Sorge. Ich glaubte, sie glänzen zu sehen, als wäre sie den Tränen nahe. Es brach mir fast das Herz. “Was ist den los, Kleine?”, fragte ich.
Mit Jack stimmt etwas nicht, sagte sie. Schau, er wird sterben! Sie hielt den Teddybären hoch.
Er heißt Jack?, fragte ich.
“Ja. Wie du!”
“Warum ist er so zugerichtet?”
Meine Mama war wütend. Sie hat ihn kaputt gemacht. Sie hat gesagt, du darfst nicht wieder herkommen. Sie war so böse auf mich, weil ich mit dir geredet habe. Du musst gehen, Jack. Wenn sie dich sieht… Sie hielt mir wieder den Bären entgegen. Ich hörte vom Flur her Geräusche. Isabella machte ein erschrockenes Gesicht. Sie kommt. Du musst gehen, Jack, sonst ist es für dich zu spät.
Sie stand auf, ließ den Teddybären fallen und beugte sich über die Wanne. Dann legte sie die Hände an meinen Kopf und drückte ihn unter Wasser. Ich konnte mich nicht wehren. Ihr Griff war so stark, dass ich nichts dagegen tun konnte. In Panik wand ich mich, strampelte mit den Beinen und kämpfte um mein Leben. Schließlich kam mein Kopf wieder an die Oberfläche und ich sog keuchend die Luft ein…
Ich spürte einen seltsamen Druck in meinem Kopf, mir war schwindlig und alles um mich herum drehte sich. Aber ich war unversehrt und befand mich in meinem Bad. Trotz der Hitze, die mich umgab, zitterte ich. Ich stieg aus der Wanne und wäre beinahe auf dem Boden ausgerutscht. Er war mit Wasser bedeckt, das in den Flur lief. Ich trocknete mich ab und setzte mich auf den Rand der Wanne. Dort atmete ich tief ein und aus. Das war kein Traum gewesen, nein, ich war tatsächlich da gewesen, das wusste ich! Es war eine Warnung gewesen. Ich sollte mich heraushalten, mich nicht in fremde Angelegenheiten einmischen und vor meiner eigenen Tür kehren.
Ich ging mit einem Handtuch um die Taille ins Wohnzimmer und steckte mir eine Zigarette an. Meine Hände zitterten und mein Herz hatte immer noch eine zu hohe Frequenz. Wenn ich mich nicht beruhigte, würde es einfach zerspringen. Irgendwie gelang es mir schließlich wieder einen klaren Gedanken zu fassen. Ich wischte das Wasser im Bad und im Flur auf. Dies tat ich seltsam bewusst und klar, als stünde ich unter Schock. Als ich damit fertig war, zog ich mir einen Bademantel an und nahm mir eine Flasche Whisky, meine Zigaretten und einen Aschenbecher. Ich wollte mich im Schlafzimmer einsperren, mich betrinken und so vielleicht doch irgendwann Schlaf finden. Auf jeden Fall musste ich mich betäuben, sonst würde ich noch wahnsinnig werden.
Als ich das Licht im Schlafzimmer anmachte, ließ ich die Flasche Jack Daniels auf den Boden fallen, wo sie in tausend Scherben zersprang.
In der Mitte meines Bettes saß Jack, der Teddybär von Isabella. Ich stieß einen Schrei aus, stürzte aus dem Raum und knallte die Schlafzimmertür hinter mir zu…
Wie es weiter geht, erfahren Sie schon in einer Woche! Das Kapitel 9 unseres Online Romans “Letzte Worte” erscheint somit am: 31.Mai.
Archiv:
1.Kapitel - JACK
2.Kapitel - DIANE
3.Kapitel - ISABELLA
4.Kapitel - KEIN ANRUF
5.Kapitel - NACHTGEDANKEN
6.Kapitel - RICHARD
7.Kapitel - KEIN GRUND ZUR SORGE
Ein Artikel von
Marc Wulfers Kommentar hinzufügen 24. Mai 2007