Online Roman “Letzte Worte” - 9. Kapitel: HAUSBESUCH
Der Online Roman “Letzte Worte” geht in eine weitere Runde. Diesmal kommt es noch dicker für Jack. Er hatte vergessen seinen besten Freund, Richard, zu fragen, wann er sich mit Diane treffen wollte. Wie Jack reagierte, und was dann passierte, lesen Sie hier…

Ich saß im Wohnzimmer auf der Couch und starrte auf den Bildschirm meines Fernsehers, ohne den Sinn der Bilder zu verstehen. Den Ton hatte ich abgestellt. In der Hand hielte ich eine Zigarette. Ich war vollkommen durcheinander und stellte mir immer wieder die selben Fragen: Kann das wirklich möglich sein? Wie, um Himmels Willen, war der Teddybär von Isabella in mein Schlafzimmer gelangt?
Er heißt Jack?
Ja, genau wie du.
“Du bist verrückt”, sagte ich in den Raum. Meine innere Stimme gab mir natürlich Recht.
Sieh nach, er wird nicht da sein, wollen wir wetten?, fragte meine innere Stimme mich. Ich stand auf und ging zur Schlafzimmertür hinüber. Vor ihr blieb ich stehen. Was war, wenn er doch da war und es nicht meine Einbildung gewesen war? Aber das spielte keine Rolle. Nachsehen musste ich so oder so. Also öffnete ich langsam die Tür. Und sah… Mein Bett, ohne Jack, den lustigen kleinen Teddybären.
Ich fühlte mich erleichtert und machte mich daran, die Scherben der zerbrochenen Flasche Whiskey aufzusammeln und das Verschüttete aufzuwischen.
Danach fühlte ich mich schwach und mir war schwindlig und übel. Irgendetwas stimmte mit mir nicht, das war sicher. Aber das war nicht die Wahrheit. Die Wahrheit war, dass etwas Seltsames und Erschreckendes vor sich ging, und dass Richard daran beteiligt war und ich ebenfalls irgendwie hineingeraten war.
Ich setzte mich wieder auf die Couch und irgendwann driftete ich in einen tiefen Schlaf, der traumlos war, und aus dem ich erst am nächsten Tag wieder aufwachte.
Es war drei Uhr Nachmittags, als ich die Augen wieder öffnete. Noch immer fühlte ich mich schwach. Mein erster Gedanke war Richard. Dann kam die Erinnerung an den vorherigen Abend plötzlich wieder. Ich stand auf, duschte und versuchte danach, Richard anzurufen. Aber ich konnte ihn nicht erreichen. Es blieb mir nur übrig, abzuwarten, bis er sich von sich aus meldete. Die Wartezeit war unerträglich. Die Stunden dehnten sich zu Jahren (so kam es mir jedenfalls vor). Ich dachte daran, dass ich vergessen hatte, Richard zu fragen, um wie viel Uhr er sich mit Diana traf. Ich war ein Idiot. Woher sollte ich wissen, wann er mich anrief? Ich wurde immer unruhiger.
Mit der Zeit reifte ein Gedanke in mir heran, der mir die Lösung meines Dilemmas zu sein schien: Ich würde mich einfach vor dem Haus verstecken, in dem Diane wohnte und Ausschau danach halten, ob sie mit Richard auftauchte. Wenn das geschah, würde ich eingreifen. Der Gedanke gefiel mir nicht, aber es war das Einzige, was ich tun konnte. Ich hatte nicht vor, unbewaffnet zu Dianes Haus zu gehen. Man konnte schließlich nie wissen, was mich erwartet. Vorsicht war besser als Nachsicht, Sie wissen schon. Aber ich hatte keine Waffe im Haus; ich fand ein großes Küchenmesser, das mir als geeigneter Ersatz erschien. Als ich meinen Mantel anzog und das Messer in der Innentasche verstaute, schlug mir das Herz bis zum Hals.
Ich rief mir ein Taxi, das mich zur Fifth Avenue brachte. Als ich in die Seitenstraße ging, in der Dianes Haus stand, war mir, als betrete ich eine andere Welt. Die Atmosphäre hatte etwas äußerst Unwirkliches an sich. Der Lärm der Fifth Avenue schien mit einem Mal zu verstummen und das einzige Geräusch, das ich hörte, war das Prasseln des Regens. Ich lief die Straße entlang und suchte die Möglichkeiten ab, mich zu verstecken. Außer ein paar Mülltonnen fand ich nichts. In der zweiten Etage des Hauses, in dem Diane wohnte, brannte Licht. Im zweiten Stock wohnt noch eine alte Frau. Ich ging zum Hauseingang und sah mir die Klingelschilder an. Es gab dort nur einen Namen, der kaum noch lesbar war: E. Plotsky. Ich nahm an, das war der Name der alten Frau. Ich öffnete die Haustür und trat in das Treppenhaus. Es war dunkel und roch muffig. Ich stieg die alten Holzstufen empor und blieb vor der Tür in der zweiten Etage stehen. Dann atmete ich tief durch. Was hast du eigentlich vor?, fragte meine innere Stimme. Ich wusste es nicht. Dann klingelte ich. Nach ein paar Sekunden öffnete eine kleine, alte Frau die Tür und sah mich misstrauisch an.
“Was wollen Sie?” Sie hatte einen starken polnischen Akzent.
“Entschuldigen Sie bitte”, sagte ich. “Ich möchte eine alte Freundin besuchen, man hat mir gesagt, dass sie hier wohnt. Aber ich habe kein Klingelschild gesehen.”
“Hier wohnt keiner, außer mir, Mister. Und wenn Sie nicht verschwinden, rufe ich die Polizei.”
Dann hatte sie die Tür zugeknallt. Ich war vollkommen perplex. Ohne darüber nachzudenken, stieg ich die Stufen bis zu Dianes Wohnung hinauf. Es gab keine Klingel. Ich drückte die Klinke hinunter und die Tür öffnete sich. Zitternd trat ich in den dunklen Flur und schloss die Tür hinter mir. Ohne es zu merken, holte ich das Messer aus der Manteltasche. Dann stand ich im Flur und lauschte. Ein leises Kichern drang von irgendwoher an mein Ohr. Ich ging auf die Schlafzimmertür zu und öffnete sie. Als ich den blutigen Leib auf dem Bett liegen sah, schrie ich und ließ das Messer fallen.
Es war Richard! Und er war tot!
Wie wird die Geschichte enden? Sie erfahren es schon bald! In zwei Wochen, also am 14.Juni, wird das zehnte und damit letzte Kapitel des Online Romans “Letzte Worte” erscheinen.
Archiv:
1.Kapitel - JACK
2.Kapitel - DIANE
3.Kapitel - ISABELLA
4.Kapitel - KEIN ANRUF
5.Kapitel - NACHTGEDANKEN
6.Kapitel - RICHARD
7.Kapitel - KEIN GRUND ZUR SORGE
8.Kapitel - ZU SPÄT FÜR DICH
Ein Artikel von Marc Wulfers
31. Mai 2007
Archiviert in:
Specials, Online Roman
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