Online Roman “Letzte Worte” - 10. Kapitel: IN DER FALLE
Schock für Jack Dawson: Im vorletzten Teil stirbt sein bester und einziger Kumpel Richard. Wie der Online Roman “Letzte Worte” nun ausgeht, lesen Sie hier…

Ich stand im Schlafzimmer und war geschockt. Dann hörte ich Kichern und Schritte hinter mir. Ich fuhr herum und sah Diane und Isabella. Diane sah jetzt so aus, wie auf dem Foto, das Richard mir gezeigt hatte. Isabella hatte statt der langen schwarzen Haare jetzt eine blonde Lockenmähne. Es war, als hätten sie ihr Aussehen getauscht. Ich war unfähig, mich zu rühren.
“Hallo, Jack”, sagte Isabella.
“Oh Jack”, sagte Diane. “Mord ist keine schöne Sache. Weißt du, was geschieht, wenn sie dich schnappen?”
“Was… wie… aber…”, stammelte ich.
“Sieh dich doch an”, sagte Diane.
Ich sah an mir hinab und stellte fest, dass mein Mantel über und über mit Blut besudelt war. Das Messer, das vor mir auf dem Boden lag, war ebenfalls blutverschmiert. “Das… Ich war es nicht. Ihr wart es, ihr Ungeheuer”, schrie ich sie an.
Isabella kicherte und ich sah, dass sie den Teddybären in der Hand hielt. Er war überhaupt nicht mehr als solcher zu erkennen. Außer ein paar Stofffetzen war nichts von ihm übrig geblieben.
“Sieh doch, Jack, er ist tot”, sagte sie in traurigem Tonfall und hielt mir den Bären entgegen.
“Die Polizei wird bald da sein”, sagte Diane. Dann drehten sie sich beide um und gingen tiefer in den Flur hinein. An der Wohnzimmertür blieben sie stehen und Diane drehte sich noch einmal um: “Wenn sie dich nicht schnappen, werden wir dich bekommen.”
Dann verschwanden sie beide im Wohnzimmer. Sofort nachdem sie verschwunden waren, hörte ich einen lang gezogenen Schrei und sah die alte Frau vor mir im Flur stehen. Sie starrte an mir vorbei und hielt sich die Hand vor den Mund.
“Nein”, sagte ich, “es ist nicht so, wie Sie denken.”
Aber sie hatte sich schon umgedreht und ging, so schnell sie konnte, aus der Wohnung. Ich hörte ihre Schritte im Treppenhaus. Unfähig, mich zu rühren, stand ich da. Es ist zu spät, dachte ich. Mach, dass du wegkommst! Ich drehte mich um und warf einen letzten Blick auf das blutige Bündel, das auf dem Bett lag. Dann rannte ich ins Wohnzimmer, aber dort war niemand. “Lauf weg!”, sagte meine innere Stimme. Und das tat ich.
Als ich an meinem Haus ankam, sah ich, dass ein Streifenwagen davor stand. “Wie kann es sein, dass sie so schnell sind?”, dachte ich verwirrt. Herrgott, was soll ich tun? Ich dachte einen Augenblick daran, mich zu stellen, schließlich hatte ich nichts getan. Aber sie würden mir nicht glauben, das wusste ich. Also tat ich, was mir als Einziges übrig blieb, und floh.
Und nun bin ich hier. Die Kerze ist fast heruntergebrannt. Entschuldigen Sie, wenn ich nicht ausführlich genug war, aber meine Zeit ist fast abgelaufen. Ich bin froh, dass ich überhaupt Zeit hatte, alles wiederzugeben, woran ich mich erinnern kann. Ich weiß, dass alles schier unglaublich klingt, und dass es Ihnen schwer fallen wird, mir zu glauben. Aber ich habe so oder so keine Hoffnung, dass diese Seiten je gefunden werden, also spielt es wahrscheinlich keine Rolle.
Diane und Isabella, wer oder was sind sie? Ich weiß es nicht. Aber sie haben mich in den Wahnsinn getrieben. Ich habe Richard nicht umgebracht, das weiß ich. Auch wenn mir in den letzten Tagen Zweifel daran gekommen sind. Kann es sein, dass das alles nur Einbildung war? Sicher nicht, auch wenn die Grenzen zwischen Realität und Einbildung mehr und mehr verwischen.
Mein Verstand dreht sich im Kreis, unfähig, das Geschehene zu fassen. Sie verfolgen mich; ich hatte nie eine Chance, ihnen zu entkommen. Und ebenso wenig werde ich sie töten können. Ich werde derjenige sein, der sterben wird. Wenn Sie dies lesen, werde ich tot sein. Vielleicht wird man meine Leiche irgendwann finden, aber ich glaube es nicht. Und wenn, wird man wahrscheinlich denken, das ich mich selbst umgebracht habe. Schließlich bin ich ein Mörder auf der Flucht in den Augen der Polizei. Diane und Isabella wird man nicht fassen. Weil man sie nicht fassen kann und weil nichts auf sie hinweisen wird.
Ich höre Schritte über mir. Gleich werden sie da sein… Oh Gott, ich werde sterben… Meine Angst ist so groß, wie noch nie in meinem Leben. Was werden sie mit mir machen? Ich muss immerzu an den Teddybären denken. Das Kichern von Isabella hallt in meinem Kopf wieder. Wenn ich mich selbst umbringen könnte, würde ich es tun, aber hier ist nichts, außer meiner Angst. Außerdem habe ich kaum noch Kraft. Ich bin so schwach, dass ich mich nicht einmal gegen sie wehren kann. Ich hoffe, dass es schnell geht, aber wahrscheinlich werden sie sich Zeit lassen. Schließlich haben sie auch drei Tage gewartet, ehe sie mich in die Enge getrieben haben, obwohl ich keinen Zweifel daran habe, dass sie mich eher hätten finden können.
Alles war ein Spiel - und ich habe verloren. Es ist vorbei!
Die Schritte über mir sind verstummt. Jeden Moment wird sich die Luke öffnen und dann…
Ich werde sterben.
Mein Name war Jack. Jack Dawson.
Das war das Ende von Jack Dawson und damit geht auch mein Horror Online Roman “Letzte Worte” zu ende. Ich möchte mich herzlich für Ihre regen Aufrufe meines Romans bedanken. Wir lesen uns sicher bald wieder - natürlich auf theCliX.com. Ihr Marc Wulfers.
Hier alle Kapitel noch einmal zum Nachlesen:
Archiv:
1.Kapitel - JACK
2.Kapitel - DIANE
3.Kapitel - ISABELLA
4.Kapitel - KEIN ANRUF
5.Kapitel - NACHTGEDANKEN
6.Kapitel - RICHARD
7.Kapitel - KEIN GRUND ZUR SORGE
8.Kapitel - ZU SPÄT FÜR DICH
9.Kapitel - HAUSBESUCH
Ein Artikel von
Marc Wulfers Kommentar hinzufügen 14. Juni 2007