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Kolumne: Sein oder nicht sein?

Mal ehrlich, es gab selten Männern bei denen ich auf Anhieb das Gefühl hatte, ich könnte so sein wie ich wirklich bin. Chaotisch, ein Tollpatsch, betrunken, im Jogging-Anzug oder einfach mal still am Telefon. Aber in Wirklichkeit ist es doch so: Wenn uns Frauen ein Kerl begegnet, den wir auf der Stelle in unsere Höhle schleifen würden, sind wir dann noch so, wie an unseren typischen Single-Sonntagen? Wohl kaum.

Es sind diese Moment, in denen uns ein Kerl anruft, obwohl er gar nicht weiß warum, zumindest sagt uns das sein Verhalten. Denn anstatt uns die Ohren heiß zu reden, wie wir es tun würden, wenn wir irgendwo anrufen, herrscht schnelles Schweigen am anderen Ende der Leitung. Ich verstehe das bis heute nicht ganz, aber wir Frauen glauben sofort diese Lücke füllen zu müssen und fühlen uns verantwortlich. Wir quatschen also die Spezies von Mann zu, um uns nach dem Telefonat zu fragen: Warum hat der Kerl uns eigentlich angerufen? Warum halten wir nicht auch den Mund und lassen ihn im Regen stehen?

Dann sind da noch die auf Pulsfrequenz 160 ausgeführten Putzanfälle, die wir bereits 2 Tage vor unserem Date betreiben, damit der Angebetete auch ja einen guten Eindruck von uns erhält. In dieser Form habe ich das nie von einen meiner männlichen Freunde mitbekommen. Und es ist umso enttäuschender, wenn das Date mal wieder kurz vor Beginn abgesagt wird. Dann doch lieber ne chaotische Wohnung und ein Date, als allein auf der blitze blank geputzten Couch, auf der man sich wie eine alte Ehefrau vorkommt, deren Mann mal wieder auf Geschäftsreise gefahren ist – mit seiner Sekretärin selbstverständlich.

Wir puschen uns auf, kramen unseren Malkasten raus, benutzen das beste Parfüm, rasieren uns die Beine, zupfen gegebenenfalls die Augenbraun, obwohl wir das hassen, legen nach dem Make-up noch Puder auf, weil wir das in einer der vielen Frauenzeitschriften gelesen haben und unseren Teint besonders geschmeidig macht.

Und wofür das alles? Um nach 5 Stunden mit seinem Date rumzuknutschen und das ganze Kunstwerk wieder zu zerstören. Gesetz dem Fall, der Kerl bleibt bei uns, wird er uns früher oder später eh nach dem Aufwachen sehen. Da wäre es doch viel entspannter in seinen Lieblingsklamotten gemütlich bei einem Bier zu sitzen, nicht alle fünf Minuten auf Toilette zu rennen und seinen Anblick zu checken, sondern zu sagen: I am what I am. Nimm mich so wie ich bin. Ob angeheitert oder ein wenig chaotisch beides ist doch im Grunde genommen ganz süß ist, oder?

Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage - und ich bin dafür! Für weniger Silhouette, mehr Weiblichkeit und Stolz, darauf dass wir nicht perfekt sind. Und da draußen wird es sicherlich einen Herzensbrecher geben, der das ganz genauso sieht.

Ein Artikel von Annette Weber

1 Kommentar 27. November 2006

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