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Schock für Jack Dawson: Im vorletzten Teil stirbt sein bester und einziger Kumpel Richard. Wie der Online Roman “Letzte Worte” nun ausgeht, lesen Sie hier…

10. Kapitel: IN DER FALLE
Ich stand im Schlafzimmer und war geschockt. Dann hörte ich Kichern und Schritte hinter mir. Ich fuhr herum und sah Diane und Isabella. Diane sah jetzt so aus, wie auf dem Foto, das Richard mir gezeigt hatte. Isabella hatte statt der langen schwarzen Haare jetzt eine blonde Lockenmähne. Es war, als hätten sie ihr Aussehen getauscht. Ich war unfähig, mich zu rühren.
“Hallo, Jack”, sagte Isabella.
“Oh Jack”, sagte Diane. “Mord ist keine schöne Sache. Weißt du, was geschieht, wenn sie dich schnappen?”
“Was… wie… aber…”, stammelte ich.
“Sieh dich doch an”, sagte Diane.
Ich sah an mir hinab und stellte fest, dass mein Mantel über und über mit Blut besudelt war. Das Messer, das vor mir auf dem Boden lag, war ebenfalls blutverschmiert. “Das… Ich war es nicht. Ihr wart es, ihr Ungeheuer”, schrie ich sie an.
Isabella kicherte und ich sah, dass sie den Teddybären in der Hand hielt. Er war überhaupt nicht mehr als solcher zu erkennen. Außer ein paar Stofffetzen war nichts von ihm übrig geblieben.
“Sieh doch, Jack, er ist tot”, sagte sie in traurigem Tonfall und hielt mir den Bären entgegen.
“Die Polizei wird bald da sein”, sagte Diane. Dann drehten sie sich beide um und gingen tiefer in den Flur hinein. An der Wohnzimmertür blieben sie stehen und Diane drehte sich noch einmal um: “Wenn sie dich nicht schnappen, werden wir dich bekommen.”
Dann verschwanden sie beide im Wohnzimmer. Sofort nachdem sie verschwunden waren, hörte ich einen lang gezogenen Schrei und sah die alte Frau vor mir im Flur stehen. Sie starrte an mir vorbei und hielt sich die Hand vor den Mund.
“Nein”, sagte ich, “es ist nicht so, wie Sie denken.”
Aber sie hatte sich schon umgedreht und ging, so schnell sie konnte, aus der Wohnung. Ich hörte ihre Schritte im Treppenhaus. Unfähig, mich zu rühren, stand ich da. Es ist zu spät, dachte ich. Mach, dass du wegkommst! Ich drehte mich um und warf einen letzten Blick auf das blutige Bündel, das auf dem Bett lag. Dann rannte ich ins Wohnzimmer, aber dort war niemand. “Lauf weg!”, sagte meine innere Stimme. Und das tat ich.
Als ich an meinem Haus ankam, sah ich, dass ein Streifenwagen davor stand. “Wie kann es sein, dass sie so schnell sind?”, dachte ich verwirrt. Herrgott, was soll ich tun? Ich dachte einen Augenblick daran, mich zu stellen, schließlich hatte ich nichts getan. Aber sie würden mir nicht glauben, das wusste ich. Also tat ich, was mir als Einziges übrig blieb, und floh.
Und nun bin ich hier. Die Kerze ist fast heruntergebrannt. Entschuldigen Sie, wenn ich nicht ausführlich genug war, aber meine Zeit ist fast abgelaufen. Ich bin froh, dass ich überhaupt Zeit hatte, alles wiederzugeben, woran ich mich erinnern kann. Ich weiß, dass alles schier unglaublich klingt, und dass es Ihnen schwer fallen wird, mir zu glauben. Aber ich habe so oder so keine Hoffnung, dass diese Seiten je gefunden werden, also spielt es wahrscheinlich keine Rolle.
Diane und Isabella, wer oder was sind sie? Ich weiß es nicht. Aber sie haben mich in den Wahnsinn getrieben. Ich habe Richard nicht umgebracht, das weiß ich. Auch wenn mir in den letzten Tagen Zweifel daran gekommen sind. Kann es sein, dass das alles nur Einbildung war? Sicher nicht, auch wenn die Grenzen zwischen Realität und Einbildung mehr und mehr verwischen.
Mein Verstand dreht sich im Kreis, unfähig, das Geschehene zu fassen. Sie verfolgen mich; ich hatte nie eine Chance, ihnen zu entkommen. Und ebenso wenig werde ich sie töten können. Ich werde derjenige sein, der sterben wird. Wenn Sie dies lesen, werde ich tot sein. Vielleicht wird man meine Leiche irgendwann finden, aber ich glaube es nicht. Und wenn, wird man wahrscheinlich denken, das ich mich selbst umgebracht habe. Schließlich bin ich ein Mörder auf der Flucht in den Augen der Polizei. Diane und Isabella wird man nicht fassen. Weil man sie nicht fassen kann und weil nichts auf sie hinweisen wird.
Ich höre Schritte über mir. Gleich werden sie da sein… Oh Gott, ich werde sterben… Meine Angst ist so groß, wie noch nie in meinem Leben. Was werden sie mit mir machen? Ich muss immerzu an den Teddybären denken. Das Kichern von Isabella hallt in meinem Kopf wieder. Wenn ich mich selbst umbringen könnte, würde ich es tun, aber hier ist nichts, außer meiner Angst. Außerdem habe ich kaum noch Kraft. Ich bin so schwach, dass ich mich nicht einmal gegen sie wehren kann. Ich hoffe, dass es schnell geht, aber wahrscheinlich werden sie sich Zeit lassen. Schließlich haben sie auch drei Tage gewartet, ehe sie mich in die Enge getrieben haben, obwohl ich keinen Zweifel daran habe, dass sie mich eher hätten finden können.
Alles war ein Spiel - und ich habe verloren. Es ist vorbei!
Die Schritte über mir sind verstummt. Jeden Moment wird sich die Luke öffnen und dann…
Ich werde sterben.
Mein Name war Jack. Jack Dawson.
Das war das Ende von Jack Dawson und damit geht auch mein Horror Online Roman “Letzte Worte” zu ende. Ich möchte mich herzlich für Ihre regen Aufrufe meines Romans bedanken. Wir lesen uns sicher bald wieder - natürlich auf theCliX.com. Ihr Marc Wulfers.
Hier alle Kapitel noch einmal zum Nachlesen:
Archiv:
1.Kapitel - JACK
2.Kapitel - DIANE
3.Kapitel - ISABELLA
4.Kapitel - KEIN ANRUF
5.Kapitel - NACHTGEDANKEN
6.Kapitel - RICHARD
7.Kapitel - KEIN GRUND ZUR SORGE
8.Kapitel - ZU SPÄT FÜR DICH
9.Kapitel - HAUSBESUCH
Ein Artikel von
Marc Wulfers 14. Juni 2007
Der Online Roman “Letzte Worte” geht in eine weitere Runde. Diesmal kommt es noch dicker für Jack. Er hatte vergessen seinen besten Freund, Richard, zu fragen, wann er sich mit Diane treffen wollte. Wie Jack reagierte, und was dann passierte, lesen Sie hier…

9. Kapitel: HAUSBESUCH
Ich saß im Wohnzimmer auf der Couch und starrte auf den Bildschirm meines Fernsehers, ohne den Sinn der Bilder zu verstehen. Den Ton hatte ich abgestellt. In der Hand hielte ich eine Zigarette. Ich war vollkommen durcheinander und stellte mir immer wieder die selben Fragen: Kann das wirklich möglich sein? Wie, um Himmels Willen, war der Teddybär von Isabella in mein Schlafzimmer gelangt?
Er heißt Jack?
Ja, genau wie du.
“Du bist verrückt”, sagte ich in den Raum. Meine innere Stimme gab mir natürlich Recht.
Sieh nach, er wird nicht da sein, wollen wir wetten?, fragte meine innere Stimme mich. Ich stand auf und ging zur Schlafzimmertür hinüber. Vor ihr blieb ich stehen. Was war, wenn er doch da war und es nicht meine Einbildung gewesen war? Aber das spielte keine Rolle. Nachsehen musste ich so oder so. Also öffnete ich langsam die Tür. Und sah… Mein Bett, ohne Jack, den lustigen kleinen Teddybären.
Ich fühlte mich erleichtert und machte mich daran, die Scherben der zerbrochenen Flasche Whiskey aufzusammeln und das Verschüttete aufzuwischen.
Danach fühlte ich mich schwach und mir war schwindlig und übel. Irgendetwas stimmte mit mir nicht, das war sicher. Aber das war nicht die Wahrheit. Die Wahrheit war, dass etwas Seltsames und Erschreckendes vor sich ging, und dass Richard daran beteiligt war und ich ebenfalls irgendwie hineingeraten war.
Ich setzte mich wieder auf die Couch und irgendwann driftete ich in einen tiefen Schlaf, der traumlos war, und aus dem ich erst am nächsten Tag wieder aufwachte.
Es war drei Uhr Nachmittags, als ich die Augen wieder öffnete. Noch immer fühlte ich mich schwach. Mein erster Gedanke war Richard. Dann kam die Erinnerung an den vorherigen Abend plötzlich wieder. Ich stand auf, duschte und versuchte danach, Richard anzurufen. Aber ich konnte ihn nicht erreichen. Es blieb mir nur übrig, abzuwarten, bis er sich von sich aus meldete. Die Wartezeit war unerträglich. Die Stunden dehnten sich zu Jahren (so kam es mir jedenfalls vor). Ich dachte daran, dass ich vergessen hatte, Richard zu fragen, um wie viel Uhr er sich mit Diana traf. Ich war ein Idiot. Woher sollte ich wissen, wann er mich anrief? Ich wurde immer unruhiger.
Mit der Zeit reifte ein Gedanke in mir heran, der mir die Lösung meines Dilemmas zu sein schien: Ich würde mich einfach vor dem Haus verstecken, in dem Diane wohnte und Ausschau danach halten, ob sie mit Richard auftauchte. Wenn das geschah, würde ich eingreifen. Der Gedanke gefiel mir nicht, aber es war das Einzige, was ich tun konnte. Ich hatte nicht vor, unbewaffnet zu Dianes Haus zu gehen. Man konnte schließlich nie wissen, was mich erwartet. Vorsicht war besser als Nachsicht, Sie wissen schon. Aber ich hatte keine Waffe im Haus; ich fand ein großes Küchenmesser, das mir als geeigneter Ersatz erschien. Als ich meinen Mantel anzog und das Messer in der Innentasche verstaute, schlug mir das Herz bis zum Hals.
Ich rief mir ein Taxi, das mich zur Fifth Avenue brachte. Als ich in die Seitenstraße ging, in der Dianes Haus stand, war mir, als betrete ich eine andere Welt. Die Atmosphäre hatte etwas äußerst Unwirkliches an sich. Der Lärm der Fifth Avenue schien mit einem Mal zu verstummen und das einzige Geräusch, das ich hörte, war das Prasseln des Regens. Ich lief die Straße entlang und suchte die Möglichkeiten ab, mich zu verstecken. Außer ein paar Mülltonnen fand ich nichts. In der zweiten Etage des Hauses, in dem Diane wohnte, brannte Licht. Im zweiten Stock wohnt noch eine alte Frau. Ich ging zum Hauseingang und sah mir die Klingelschilder an. Es gab dort nur einen Namen, der kaum noch lesbar war: E. Plotsky. Ich nahm an, das war der Name der alten Frau. Ich öffnete die Haustür und trat in das Treppenhaus. Es war dunkel und roch muffig. Ich stieg die alten Holzstufen empor und blieb vor der Tür in der zweiten Etage stehen. Dann atmete ich tief durch. Was hast du eigentlich vor?, fragte meine innere Stimme. Ich wusste es nicht. Dann klingelte ich. Nach ein paar Sekunden öffnete eine kleine, alte Frau die Tür und sah mich misstrauisch an.
“Was wollen Sie?” Sie hatte einen starken polnischen Akzent.
“Entschuldigen Sie bitte”, sagte ich. “Ich möchte eine alte Freundin besuchen, man hat mir gesagt, dass sie hier wohnt. Aber ich habe kein Klingelschild gesehen.”
“Hier wohnt keiner, außer mir, Mister. Und wenn Sie nicht verschwinden, rufe ich die Polizei.”
Dann hatte sie die Tür zugeknallt. Ich war vollkommen perplex. Ohne darüber nachzudenken, stieg ich die Stufen bis zu Dianes Wohnung hinauf. Es gab keine Klingel. Ich drückte die Klinke hinunter und die Tür öffnete sich. Zitternd trat ich in den dunklen Flur und schloss die Tür hinter mir. Ohne es zu merken, holte ich das Messer aus der Manteltasche. Dann stand ich im Flur und lauschte. Ein leises Kichern drang von irgendwoher an mein Ohr. Ich ging auf die Schlafzimmertür zu und öffnete sie. Als ich den blutigen Leib auf dem Bett liegen sah, schrie ich und ließ das Messer fallen.
Es war Richard! Und er war tot!
Wie wird die Geschichte enden? Sie erfahren es schon bald! In zwei Wochen, also am 14.Juni, wird das zehnte und damit letzte Kapitel des Online Romans “Letzte Worte” erscheinen.
Archiv:
1.Kapitel - JACK
2.Kapitel - DIANE
3.Kapitel - ISABELLA
4.Kapitel - KEIN ANRUF
5.Kapitel - NACHTGEDANKEN
6.Kapitel - RICHARD
7.Kapitel - KEIN GRUND ZUR SORGE
8.Kapitel - ZU SPÄT FÜR DICH
Ein Artikel von
Marc Wulfers 31. Mai 2007
Nach zwei Wochen Pause erscheint nun ein weiteres Kapitel des Online Romans “Letzte Worte”. Es sollte ein ruhiger Abend für Jack Dawson werden. Doch daraus wurde nichts! Lesen Sie hier, wie es weiter geht…

8. Kapitel: ZU SPÄT FÜR DICH
Nachdem ich die Tür hinter ihm geschlossen hatte, fühlte ich mich zu einem Teil albern, zum anderen haftete Besorgnis an mir. Ich sagte mir aber immer wieder, dass ich das Richtige getan hatte. Es war mir nicht leicht gefallen, Richard von all diesen Dingen zu erzählen. Aber es war dennoch richtig gewesen!
Er war mein bester und einziger Freund und wenn sich alles als Humbug erweisen sollte, was selbstverständlich geschehen würde, so glaubte ich, dass er mir diese kleine Unterhaltung und meine übersteigerte Phantasie nicht übel nehmen würde.
Ich setzte mich ins Wohnzimmer, nahm mir ein Buch und beschloss, mich einfach abzulenken. Doch nach etwa drei Seiten schlug ich das Buch wieder zu. Ich hatte nichts vom Inhalt des Textes mitbekommen. Ich hatte zwar gelesen, aber dennoch ununterbrochen an das Gespräch mit Richard gedacht.
… Diana und Diane, Isabella und Annabella, …
Nur ein Zufall, sagte meine innere Stimme. Du hast das Foto gesehen, sie war es nicht. Ich hatte keine Ahnung, ob das tatsächlich zutraf.
Ich beschloss ein heißes Bad zu nehmen. Das würde mich beruhigen und mir beim Einschlafen helfen. Zwanzig Minuten später lag ich in der Wanne, von Dampfwolken umgeben, und schwitzte. Vielleicht kannst du deine kranken Gedanken einfach ausschwitzen, dachte ich. Ein kurzes und abgehacktes Lachen drang aus meiner Kehle. Sein Klang gefiel mir überhaupt nicht. Es klang wie das Gegacker eines alten senilen Mannes. Ich schloss die Augen und was dann geschah, können Sie sich wahrscheinlich denken… Ich schlief ein! Und hatte wieder einen Traum…
Ich war wieder in der Wohnung von Diane. Diesmal befand ich mich im Bad und lag in der Wanne. Dampfwolken schwebten durch den kleinen Raum. Regen trommelte gegen das Milchglasfenster. Isabella saß nackt auf dem Wannenrand und schaute mich traurig an. Sie hatte wieder den Teddybären im Arm. Mittlerweile sah der gar nicht mehr gut aus! Nicht allein, dass ihm die Augen herunterhingen, nein, er war vom Hals an aufgerissen und sein weißes Innenleben quoll aus dem Schlitz hervor. Isabella streichelte ihm den Kopf. “Was tue ich hier?”, fragte ich sie. Sie blickte mich an. Ihre Augen waren voller Sorge. Ich glaubte, sie glänzen zu sehen, als wäre sie den Tränen nahe. Es brach mir fast das Herz. “Was ist den los, Kleine?”, fragte ich.
Mit Jack stimmt etwas nicht, sagte sie. Schau, er wird sterben! Sie hielt den Teddybären hoch.
Er heißt Jack?, fragte ich.
“Ja. Wie du!”
“Warum ist er so zugerichtet?”
Meine Mama war wütend. Sie hat ihn kaputt gemacht. Sie hat gesagt, du darfst nicht wieder herkommen. Sie war so böse auf mich, weil ich mit dir geredet habe. Du musst gehen, Jack. Wenn sie dich sieht… Sie hielt mir wieder den Bären entgegen. Ich hörte vom Flur her Geräusche. Isabella machte ein erschrockenes Gesicht. Sie kommt. Du musst gehen, Jack, sonst ist es für dich zu spät.
Sie stand auf, ließ den Teddybären fallen und beugte sich über die Wanne. Dann legte sie die Hände an meinen Kopf und drückte ihn unter Wasser. Ich konnte mich nicht wehren. Ihr Griff war so stark, dass ich nichts dagegen tun konnte. In Panik wand ich mich, strampelte mit den Beinen und kämpfte um mein Leben. Schließlich kam mein Kopf wieder an die Oberfläche und ich sog keuchend die Luft ein…
Ich spürte einen seltsamen Druck in meinem Kopf, mir war schwindlig und alles um mich herum drehte sich. Aber ich war unversehrt und befand mich in meinem Bad. Trotz der Hitze, die mich umgab, zitterte ich. Ich stieg aus der Wanne und wäre beinahe auf dem Boden ausgerutscht. Er war mit Wasser bedeckt, das in den Flur lief. Ich trocknete mich ab und setzte mich auf den Rand der Wanne. Dort atmete ich tief ein und aus. Das war kein Traum gewesen, nein, ich war tatsächlich da gewesen, das wusste ich! Es war eine Warnung gewesen. Ich sollte mich heraushalten, mich nicht in fremde Angelegenheiten einmischen und vor meiner eigenen Tür kehren.
Ich ging mit einem Handtuch um die Taille ins Wohnzimmer und steckte mir eine Zigarette an. Meine Hände zitterten und mein Herz hatte immer noch eine zu hohe Frequenz. Wenn ich mich nicht beruhigte, würde es einfach zerspringen. Irgendwie gelang es mir schließlich wieder einen klaren Gedanken zu fassen. Ich wischte das Wasser im Bad und im Flur auf. Dies tat ich seltsam bewusst und klar, als stünde ich unter Schock. Als ich damit fertig war, zog ich mir einen Bademantel an und nahm mir eine Flasche Whisky, meine Zigaretten und einen Aschenbecher. Ich wollte mich im Schlafzimmer einsperren, mich betrinken und so vielleicht doch irgendwann Schlaf finden. Auf jeden Fall musste ich mich betäuben, sonst würde ich noch wahnsinnig werden.
Als ich das Licht im Schlafzimmer anmachte, ließ ich die Flasche Jack Daniels auf den Boden fallen, wo sie in tausend Scherben zersprang.
In der Mitte meines Bettes saß Jack, der Teddybär von Isabella. Ich stieß einen Schrei aus, stürzte aus dem Raum und knallte die Schlafzimmertür hinter mir zu…
Wie es weiter geht, erfahren Sie schon in einer Woche! Das Kapitel 9 unseres Online Romans “Letzte Worte” erscheint somit am: 31.Mai.
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1.Kapitel - JACK
2.Kapitel - DIANE
3.Kapitel - ISABELLA
4.Kapitel - KEIN ANRUF
5.Kapitel - NACHTGEDANKEN
6.Kapitel - RICHARD
7.Kapitel - KEIN GRUND ZUR SORGE
Ein Artikel von
Marc Wulfers 24. Mai 2007
Die Geschehnisse um Jack Dawson gehen weiter. Im vergangenen Kapitel kam es endlich zum lang ersehnten Treffen. Jack erzählte ihm alles über seinen ominösen Traum. Wie wird Richard nun reagieren? Lesen Sie es hier…

7. Kapitel: KEIN GRUND ZUR SORGE
Als ich mit meiner Geschichte fertig war, lag Schweigen zwischen Richard und mir. Er hatte sich eine Zigarette angezündet, kratze sich hinterm Ohr und sah zu Boden. Ich hatte die Vorstellung, dass er jeden Moment aufschaut und anfängt zu lachen, aber das tat er nicht. Als er mich wieder ansah, hatte sein Gesicht einen besorgten Ausdruck angenommen.
“Okay”, sagte er.
“Ich muss zugeben, dass deine Geschichte schon etwas seltsam ist. Aber ich weiß nicht ganz, was ich davon halten soll. Ich meine, ich will damit nicht sagen, dass ich dir nicht glaube, aber… es kann viele Erklärungen dafür geben.”
“Ich weiß, Richard. Das ist mir klar. Aber ich hielt es dennoch für besser, es dir zu erzählen. Auch auf die Gefahr hin, dass du mich auslachst.”
“Und du bist dir ganz sicher, dass der Name, den sie geflüstert hat, Richard war?”
“Ja. Das war der Grund, warum ich dich unbedingt sehen wollte. Das und der Traum. Als du vorhin die Namen Diana und Annabella erwähntest, kam mir das einfach zuviel des Zufalls vor. Hast du sie tatsächlich versetzt, als du dich Sonntagabend mit mir treffen wolltest?”
“Ja. Claudia kam überraschend zu Besuch. Du weißt, wie selten ich sie sehe. Ich konnte sie nicht wieder wegschicken.”
Ich wusste, wie sehr er an seiner Schwester hing. Sie wohnte in Phoenix, und so sahen sie sich dementsprechend selten.
“Aber ich hatte Diana angerufen und sie meinte, es wäre kein Problem und wir haben uns einfach für morgen verabredet.”
“Wie hast du sie kennen gelernt?”, fragte ich.
“Sie ist mir buchstäblich in die Arme gelaufen. Ich war im Central Park joggen und habe sie in der Dunkelheit nicht auf mich zukommen sehen. Hab sie umgeworfen. Das war ganz schön peinlich. Ich fragte sie, warum sie Abends allein joggen ging, und betonte, dass das für eine Frau nicht ganz ungefährlich wäre. Sie sagte, dass sie keine Angst hätte. So kamen wir ins Gespräch. Ich bestand darauf, sie zu begleiten und habe ihr dann ein Taxi gerufen, welches sie nach Hause bringen sollte. Am nächsten Abend waren wir essen.”
“Hast du mit ihr geschlafen?”, fragte ich neugierig.
“Nein. Ich war nicht einmal in ihrer Wohnung. Nach dem Essen waren wir spazieren. Sie ist so anders, als die Frauen, mit denen ich mich sonst treffe. Sie erzählte mir von Annabella und wir redeten über New York. Dann sagte sie, dass sie nach Hause müsste, wegen Annabella. Wir haben uns zum Abschied geküsst, das war alles. Ich glaube, dass sie mich wirklich mag. Jedenfalls hat’s mich diesmal echt erwischt.”
“Hat sie dir gesagt, was sie arbeitet, wo sie her kommt, wie sie mit Nachnamen heißt?”
“Nein. Wo du mich jetzt fragst, das hat sie nicht. Und ich habe auch nicht danach gefragt.”
Er machte ein nachdenkliches Gesicht und sagte: “Es war ganz anders, als sonst.”
“Hast du vor, sie morgen wirklich zu treffen?”
“Ja. Auf jeden Fall. Ich muss ständig an sie denken. Ich kann es kaum erwarten, sie wieder zu sehen.”
“Richard, es wäre mir wohler, wenn du absagen würdest.”
Er sah mich entsetzt an. “Warum? Nur weil du dir irgendwas einbildest? Jack, wir leben in New York! Ich muss zugeben, dass die Ähnlichkeit der Namen schon etwas ungewöhnlich ist, aber es gibt nun mal mehr als eine allein erziehende Mutter hier.”
“Und der Traum?”
“Soll das ernsthaft ein Grund sein, mich nicht mit Diana zu treffen? Vielleicht brauchst du ein wenig Urlaub. Oder du solltest mehr unternehmen, unter Leute gehen. Wenn ich so leben würde wie du, würde ich auch irgendwann anfangen zu phantasieren.”
Wahrscheinlich hatte er recht. Ich sah ein, dass ich ihn nicht davon abhalten konnte, sich mit Diana zu treffen. Und ich konnte es ihm nicht verübeln. Würde ich mich aufgrund von Hirngespinsten davon abhalten lassen, mich mit einer Frau zu treffen, in die ich mich verliebt hatte? Nein, sicher nicht.
“Na schön”, sagte ich. “Das verstehe ich. Vielleicht hast du ja recht. Aber würdest du mir dennoch den Gefallen tun, mich anzurufen, nachdem du dich mit ihr getroffen hast?”
“Wenn du so viel Wert darauf legst. Ich hätte dich so oder so auf dem Laufenden gehalten.”
“Und du hältst mich nicht für geistesgestört?”
“Unsinn. Das kommt vor. Du wirst sehen, es besteht kein Grund zur Sorge.”
Er lächelte mich an. Und das brachte mich fast dazu, alle Zweifel in den Wind zu schlagen. Ich verstand, warum die Frauen auf ihn flogen. Er hatte+ das sonnigste Lächeln, das ich kannte.
Und es sollte das letzte Mal gewesen sein, dass ich es sah. Richard lief in sein Verderben und ich hatte nichts dagegen unternehmen können. Außer, ihm dorthin zu folgen…
Wie es weiter geht, erfahren Sie aufgrund des Feiertags erst in zwei Wochen. Das Kapitel 8 unseres Online Romans “Letzte Worte” erscheint somit am: 24.Mai.
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1.Kapitel - JACK
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6.Kapitel - RICHARD
Ein Artikel von
Marc Wulfers 10. Mai 2007
Eine Woche ist seit dem letzten Kapitel unseres Online Romans “Letzte Worte” vergangen. Im 6.Kapitel kommt es nun endlich zum ersehnten Treffen mit Kumpel Richard. Lesen Sie hier, was beim Treffen geschah…

6. Kapitel: RICHARD
Ich erreichte Richard am späten Vormittag, nachdem ich schon ein paar Mal versucht hatte, ihn anzurufen. Als er endlich abnahm, war ich unendlich erleichtert. Ich schaffte es sogar, ihn dazu zu überreden, sich noch am selben Tag mit mir zu treffen. Ich hielt es für klug, nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen, deshalb erzählte ich nichts von Diane und den anderen Dingen. Ich hatte immer noch die Hoffnung, dass das alles nur Einbildung war.
Richard wollte gegen 20 Uhr bei mir sein. Ich war den ganzen Tag nervös. Schließlich wusste man bei Richard nie, ob er wirklich auftauchte oder ihm nicht doch noch in letzter Sekunde “etwas dazwischen kam”. Ich beschäftigte mich eine Zeitlang damit, zu versuchen, die Schnittwunden irgendwie unauffälliger werden zu lassen. Ich entfernte die Pflaster und versuchte die Wunden mit einem Abdeckstift zu verbergen. Aber das Ergebnis sah fast noch schlimmer aus als vorher.
Ich verbrachte den Tag damit, meine Wäsche zu waschen, Hemden zu bügeln, sinnlose Talkshows anzusehen und meine Wohnung zu reinigen. Als die vereinbarte Zeit näher rückte, steigerte sich meine Nervosität auf ein Maximum und ich lief in der Wohnung auf und ab. Dann war es zehn nach acht und ich entschied mich gerade dafür bei Richard anzurufen, als es klingelte. Als ich die Tür öffnete, konnte ich kaum glauben, dass Richard leibhaftig vor mir stand. Aber er war es, da bestand kein Zweifel. Er ist ein großer, kräftiger Mann mit dunklem Lockenschopf und großen braunen Augen. Er sah fast aus wie ein Italiener (und führte sich Frauen gegenüber auch so auf). Er grinste mir entgegen und ich bemühte mich das Gleiche zu tun.
“Jack, alter Junge, schön, dich zu sehen.”
Er trat ein und wir umarmten uns (so, wie es unter Männern, sogar unter guten Freunden, üblich ist: kurz und schmerzlos; es war lediglich die körperlichere Verlängerung eines Händedrucks). Dann betrachtete er mich und sagte frei heraus, was er dachte: “Du siehst scheiße aus, Jack. Hast du mit irgendwem Ärger gehabt.”
“So ähnlich. Willst Du ein Bier oder so was?”
“Klar, warum nicht.”
Dann saßen wir im Wohnzimmer. “Tut mir Leid, wegen neulich Abend”, sagte Richard. “Mir ist da was ….”
“Ist schon vergessen”, sagte ich. “Jetzt bist du ja da, das ist doch schon ein Fortschritt.”
Er lachte kurz.
“Also, Jacky, dann erzähl mal, was mit deinem Gesicht geschehen ist und warum du mich so dringend sehen wolltest. Du hast einen sehr nervösen Eindruck am Telefon gemacht. Ich hoffe doch nicht, dass ich mir Sorgen machen muss, oder?”
Ich hasste es, wenn er mich Jacky nannte. Aber das tat er schon seit der Grundschule und nun war es zu spät ihm das auszureden. Ich nannte ihn dafür manchmal Richie, wenn ich ihn ärgern wollte.
“Dazu komme ich gleich”, sagte ich. “Aber vorher muss ich dich noch etwas fragen.”
“Schieß los.”
“Also, versteh das jetzt nicht falsch, aber wen wolltest du mir am Sonntagabend vorstellen?”
“Du wirst sie noch kennen lernen, Jack. Sie heißt Diana. Wir treffen uns morgen. Ich glaube, dass ich zum ersten Mal richtig verliebt bin. Weißt du, was das bedeutet?”
Ich konnte es mir ausmalen, es musste einer Revolution gleichkommen. Hatte er tatsächlich Diana gesagt? Ich war mir nicht sicher. “Wie war noch mal ihr Name?”
“Diana.”
Diana, dachte ich, das ist zumindest nicht Diane. Aber verdammt nahe dran.
“Ich habe ein Foto von ihr.”
Er kramte in seiner Jacke und holte sein Portemonnaie raus. Wenn er sogar ein Foto von ihr hatte, schien es ihm diesmal wirklich ernst zu sein. Jetzt kommt die Stunde der Wahrheit, dachte ich. Das Foto würde den eindeutigen Beweis für meine übersteigerte Phantasie liefern. Er reichte mir das Bild. Ich betrachtete es eine Zeitlang unschlüssig. Es brachte mir keine Sicherheit. Auf dem Foto war eine Frau zu sehen, die schlank und mittelgroß war. Sie trug ein rotes Abendkleid, hatte lange schwarze Haare und blasse Haut. Ihr Gesicht erschien mir seltsam unproportioniert. Als ich es im Geiste mit dem von Diane vergleichen wollte, gelang es mir nicht, weil ich mich kaum mehr an ihr Gesicht erinnern konnte. Aber trotzdem fand ich, dass sie sich auf eine gewisse Art und Weise ähnelten.
“Und, wie findest du sie?”, fragte Richard.
“Ungewöhnlich für dich”, gab ich zur Antwort.
“Ich weiß, aber sie hat etwas an sich. Irgendwie ist sie sehr geheimnisvoll. Nicht, wie die anderen Frauen. Sie hat eine kleine Tochter. Annabella.”
Ich erschauerte.
“Alles klar, Jack? Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen.”
“Richard”, sagte ich, “hör gut zu. Ich muss dir etwas erzählen.”
Sie wollen wissen, wie es weitergeht? Das Kapitel 7 unseres Online Romans “Letzte Worte” erscheint am: 10.Mai.
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1.Kapitel - JACK
2.Kapitel - DIANE
3.Kapitel - ISABELLA
4.Kapitel - KEIN ANRUF
5.Kapitel - NACHTGEDANKEN
Ein Artikel von
Marc Wulfers 3. Mai 2007
Die Geschichte um Jack Dawson geht in eine neue Runde! Im letzten Kapitel erlebte Jack seinen bisher schrecklichsten Traum. Doch der Traum schien für ihn so wahr, dass seine Gedanken daran ihn zunächst um den Schlaf brachten. Lesen Sie hier, was er für eine böse Vermutung hat.

5. Kapitel: NACHTGEDANKEN
Ich desinfizierte die Schnittwunden, die alle glücklicherweise nicht tief waren, reinigte sie und klebte Pflaster darüber. Meiner Einschätzung nach musste nichts genäht werden und ich hoffte, dass keine Narben zurückblieben. Die Konturen meines Gesichtes waren unter den Pflastern kaum noch zu erkennen.
Spät in dieser Nacht saß ich in meiner Küche, mit einem Glas Scotch, hatte Kopfschmerzen und wusste nicht mehr, was Realität war und was meiner Phantasie entsprang. Herrgott, was hatte ich da getan? Mir in einer Art Trancezustand aus Spaß das Gesicht verschandelt? Aber das erschien mir nicht als das Schlimmste. Das Schlimmste war der Traum gewesen. Und noch schlimmer war es, dass er mir gar nicht wie ein Traum vorgekommen war, sondern eher wie eine Vision, an der ich aktiv teilgenommen hatte.
“Das war eindeutig Richard”, sagte ich in die Stille der Wohnung hinein. Dieses Bündel blutigen Fleisches, das war er gewesen. Ich nahm mein Handy und wählte seine Nummer. Als sich die Mailbox meldete, legte ich auf und wählte dann seine Festnetznummer. Nach dem zehnten Klingeln gab ich es auf. Was verlangst du denn, fragte meine innere Stimme. Es ist drei Uhr nachts, normale Leute schlafen um diese Zeit und zerschneiden sich nicht, nur weil sie ein wenig angetrunken sind, das Gesicht. “Halt die Klappe”, gab ich zur Antwort. Ich würde Richard gleich morgen früh anrufen, nachdem ich mich bei der Arbeit für die restliche Woche krank gemeldet hatte. Ich konnte mich unmöglich in dieser Freddy Krueger-Aufmachung dort blicken lassen. Ich würde Richard einfach erzählen, was mir widerfahren war und froh sein, wenn er mich auslachte. Denn wenn er lachte, war er wenigstens noch am Leben und ich nur ein wenig geistesgestört.
Er hat mich versetzt, Jack. Man versetzt eine Dame nicht, oder, Jack? Nein, das gehört ganz und gar nicht zum guten Ton.
Nun, es gehörte auch nicht zum guten Ton, Leute, die einen versetzten, gleich abzuschlachten. Dann verband sich der Satz, den Diane in meinem Traum gesagt hatte, mit der Erinnerung an Sonntagabend und mir war, als ginge mir ein Licht auf. Es war so offensichtlich, dass ich gar nicht daran gedacht hatte.
“Natürlich. Richard war mit Diane verabredet. Sie war seine neue Flamme gewesen. Und er hat sie und mich versetzt”, sagte ich mir. Zugegeben, das ergab irgendwie schon einen Sinn, aber ich musste vorsichtig sein. Wenn ich Wert darauf legte, wenigstens halbwegs bei klarem Verstand zu bleiben, durfte ich keine voreiligen Schlüsse ziehen, sondern musste den Morgen abwarten. Was es bedeuten würde, wenn sich meine Vermutung als richtig erwies, wollte ich mir gar nicht ausmalen.
Was machst du, wenn Richard morgen auch nicht abnimmt, oder sich nicht mit dir treffen will?, fragte meine innere Stimme. “Nun, irgendwie werde ich es schon schaffen, ihn zu sehen. Und wenn er nicht zu erreichen ist…” Ich wollte es nicht aussprechen. Aber wenn Richard tatsächlich nicht zu erreichen war, dann musste ich zu Diane gehen. Und zwar am Tage. Ich sträubte mich gegen diesen Gedanken, aber etwas anderes würde mir dann nicht übrig bleiben. Aber soweit würde es nicht kommen. Alles würde sich aufklären. Das Problem war nur, dass ich nicht glaubte, dass es wirklich so einfach war. Die Schnittwunden in meinem Gesicht sprachen eine andere Sprache.
Schließlich entschied ich mich doch dazu, ins Bett zu gehen. Ich hatte Angst davor, wieder zu träumen oder möglicherweise zu schlafwandeln, aber ich war dennoch völlig erschöpft. Ich nahm zwei Aspirin, hielt meinen Kopf unter die Spüle und schluckte die Tabletten hinunter. Dann ging ich ins Schlafzimmer und zog mich aus. Ich verriegelte das Fenster und schloss die Tür ab; den Schlüssel legte ich unter mein Kopfkissen. Nur zur Sicherheit. Auch die Nachttischlampe ließ ich brennen.
Es dauerte sehr lange, ehe ich einschlief. Ich wälzte mich hin und her, dachte an Diane, Isabella und Richard. Einmal war ich schon fast eingeschlafen. Ich streckte den Arm zur Seite aus und schrak aus dem Halbschlaf auf. Ich hatte geglaubt, die kalte und wächserne Oberfläche von Dianes Körper gespürt zu haben, aber dort war natürlich nichts gewesen. Danach versuchte ich einen Artikel in einer Zeitschrift zu lesen, um mich abzulenken, aber es gelang mir nicht. Ich konnte mich einfach nicht konzentrieren. Letztendlich lag ich auf dem Rücken und starrte zur Decke empor. Als es zu regnen anfing, beruhigte mich das Geräusch des Regens, das gegen die Scheibe des Fensters trommelte, ein wenig. Ein schwacher Gedanke kam mir in den Sinn. Es war die Erinnerung daran, wie meine Mutter mir immer Kakao gemacht hatte, wenn es regnete. Wir hatten dann immer im Wohnzimmer gesessen und Spiele gespielt. Der Gedanke verschwand und am Ende schlief ich doch ein.
Als ich am nächsten Tag aufwachte, wusste ich nicht, ob ich geträumt hatte oder nicht. Und dafür war ich dankbar…
Sie wollen wissen, wie es weitergeht? Das Kapitel 6 unseres Online Romans “Letzte Worte” erscheint am: 3.Mai.
Archiv:
1.Kapitel - JACK
2.Kapitel - DIANE
3.Kapitel - ISABELLA
4.Kapitel - KEIN ANRUF
Ein Artikel von
Marc Wulfers 26. April 2007
Eine Woche musste man warten - nun ist es endlich da: das vierte Kapitel des Online Romans “Letzte Worte”. Im vergangenen Teil verbrachte Jack eine schreckliche Nacht mit Diane und lernte das geheimnisvolle Mädel Isabella kennen. Diese Nacht hinterließ bei Jack Spuren…Lesen Sie hier, was im vierten Kapitel passiert.

4. Kapitel: KEIN ANRUF
Als ich in dieser Nacht nach Hause kam, war ich sofort vollkommen erschöpft ins Bett gefallen. Die Lampe auf meinem Nachttisch ließ ich brennen. Ich fürchtete, dass das kleine Mädchen, Isabella, plötzlich in der Dunkelheit neben meinem Bett auftauchen würde. Ich schlief unruhig, wälzte mich hin und her und stieg schließlich um fünf Uhr morgens aus den nassen Laken, um eine kalte Dusche zu nehmen. Danach saß ich in meiner Küche, hatte eine Tasse starken Kaffees vor mir stehen und rauchte Zigarette. Im Radio hatten sie Regen angesagt, jetzt lief ein Song von Huey Lewis & The News. Ich war nervös und konnte einfach nicht vergessen, was am Vorabend geschehen war. War es tatsächlich geschehen oder war ich betrunkener gewesen, als ich gedacht hatte? Nein! Zumindest war ich mir einer Sache vollkommen klar: Der Name, den Diane im Schlaf geflüstert hatte, war Richard gewesen. Ich weiß, in New York City gibt es wahrscheinlich Tausende von Männern, die diesen Namen tragen, aber etwas seltsam war das ganze schon. Und diese anderen Dinge… Diese ekelhafte Veränderung, die ich an Diane zu beobachten geglaubt hatte, ihre seltsame, unnahbare und unbeteiligte Art. Und vor allem Isabella…
Ich fuhr mit der U-Bahn zur Arbeit und sah in die Gesichter der Schlipsträger, Zeitungsleser, Manager, Broker und Rechtsanwälte, in deren Riege ich mich einreihte. Würde mir auch nur einer von ihnen glauben, wenn ich ihm die Ereignisse schilderte, die mir am vorherigen Abend widerfahren waren? Ich bezweifelte es. Sie sahen alle so normal aus wie jeden Morgen: verschlafen, grimmig und verquollen, aber vollkommen normal. Keine Anzeichen, dass einer von ihnen ein Ufo gesehen hatte oder Bigfoot begegnet war.
Im Büro trank ich den nächsten Kaffee. Den ganzen Tag über war ich unkonzentriert. Ein paar Mal nahm ich sogar den Hörer nicht ab, wenn das Telefon klingelte. Ein abwegiger Gedanke schwebte mir im Kopf herum. Ich musste Richard anrufen. Dann meldete sich meine innere Stimme zu Wort: Was willst du ihm sagen? Dass du gestern Abend mit einer schrägen Frau gevögelt hast, die hinterher eingeschlafen ist und den Namen eines anderen Mannes geflüstert hat? Aber darum ging es mir gar nicht. Entscheidend war mein Bauchgefühl und das bestand aus einem stetigen unangenehmen Grollen, das mir den Appetit verdarb.
Ich rief an diesem Tag nicht bei Richard an. Stattdessen beschloss ich, die ganze Sache einfach zu vergessen. Meine Nerven waren einfach angeschlagen, ich arbeitete zu viel, das war alles. Und es stimmte nicht einmal. Ich ging zwei Stunden vor Feierabend nach Hause, bestellte mir eine Käse-Pepperoni-Pizza und trank, während ich mir die Larry King Show ansah, vier Flaschen Bier. Ich nickte auf der Couch ein und war plötzlich wieder in Dianes Wohnung.
Zuerst saß ich in ihrem Wohnzimmer auf dem alten Sofa. Dann hörte ich aus einem Winkel der Wohnung ein leises Kichern und stand auf.
“Isabella?”, rief ich, aber niemand antwortete.
Ich ging in den kleinen Flur und sah in einer Ecke, achtlos auf dem Boden liegend, den Teddybären. Mittlerweile hing auch das andere Auge an einem Faden herab, was in mir ein seltsames Gefühl des Mitleids verursachte. Die Tür zum Schlafzimmer war einen Spalt geöffnet und ich sah ein schwaches rotes Licht, das in den Flur fiel.
Ich öffnete sie langsam und sah mich einer grausamen Szenerie gegenüber:
Auf dem Bett lag ein nackter, blutverschmierter Körper. Er wand sich und bebte, als würde er von Strom durchflossen. Vom Bett tropfte Blut und lief in einem kleinen Rinnsal auf mich zu. Isabella saß nackt auf der Bettkante und sah mich kichernd an. Sie streichelte mit einer Hand den blutigen Kopf des Körpers, als liebkoste sie einen Geliebten.
“Hallo, Jack. Du bist ja doch wieder gekommen.”
Dann flüsterte der zuckende Körper einen Satz. Röchelnd presste er die Worte: “Jack, bitte hilf mir doch, um Himmels Willen.”
Ich stand wie angewurzelt da und wusste, wer dieser blutige Körper war. Ich erkannte ihn an dem dunklen Lockenschopf, durch den Isabellas Hand fuhr. Dann hörte ich hinter mir Schritte und drehte mich um. Diane kam auf mich zu. Auch sie war vollkommen nackt. Ihr eingefallener Körper glich der einer alten Frau, aber ihr Schritt war so leichtfüßig, als schwebte sie.
“Was hat das zu bedeuten?”, flüsterte ich.
Sie blieb vor mir stehen und ich nahm einen üblen Geruch war, der in meiner Assoziation verbrannter Menschenhaut gleichkam.
“Er hat mich versetzt, Jack”, sagte sie mit zuckersüßer Stimme. “Man versetzt eine Dame nicht, oder, Jack? Nein, das gehört ganz und gar nicht zum guten Ton.”
Dann war sie plötzlich verschwunden und ich erwachte in meinem Bad, vor dem Spiegel stehend. Mein Körper zitterte und meine Beine wollten unter mir nachgeben. Der Spiegel gab ein abscheuliches Bild wieder. Im ganzen Gesicht hatte ich Schnittwunden, aus denen Blut floss, das in das Waschbecken tropfte. In einer Hand hielt ich eine blutverschmierte Rasierklinge…
Sie wollen wissen, wie es weitergeht? Das Kapitel 5 unseres Online Romans “Letzte Worte” erscheint am: 26. April.
Archiv:
1.Kapitel - JACK
2.Kapitel - DIANE
3.Kapitel - ISABELLA
Ein Artikel von
Marc Wulfers 19. April 2007
Nach einer kurzen Pause durch Ostern geht es nun weiter mit dem theCliX.com Horror-Online-Roman “Letzte Worte”. Nachdem Jack im zweiten Teil Diane kennen gelernt hat, wird es nun sehr erotisch bei ihr zu Hause. Aber lesen Sie selbst…

3. Kapitel: ISABELLA
Wir gingen zu ihr. Sie sagte, dass sie niemals zu Fremden mit ging. Jedenfalls nicht beim ersten Treffen. Ihre Wohnung befand sich im obersten Stock eines alten Hauses, das dringend eine Renovierung nötig gehabt hätte. Wir waren eine Weile die “Fifth Avenue” entlang gegangen und dann in eine Seitenstraße eingebogen, die in eine andere Welt zu gehören schien. Als wir die Stufen zu ihrer Wohnung hinauf gingen, sagte ich, dass es ungewöhnlich still wäre und fragte sie, ob sie die einzige sei, die hier wohnte.
“Fast. Im zweiten Stock wohnt noch eine alte Frau. Ich habe die Wohnung genommen, weil ich mir momentan nichts besseres leisten kann”, sagte Diana.
Ich wusste selber, dass die Preise in Manhattan astronomisch waren. Auch ich hatte nur eine kleine Zwei-Raumwohnung, für die ich im Monat knapp 800 Dollar hinblättern musste. Ihre Wohnung war dunkel, selbst, als sie das Licht angemacht hatte. Wir saßen in ihrem Wohnzimmer, in dem nur ein altes Ledersofa, ein Sessel und ein Tisch standen. Die Wände waren kahl. Kein Fernseher, keine Stereoanlage, nicht einmal ein Bücherregal. Nicht gerade schön, aber andererseits war ich ja auch nicht hergekommen, um mich häuslich niederzulassen.
Wir hatten den ganzen Abend nur über Belanglosigkeiten geredet. Ich hatte weder erfahren, wo sie herkam, noch, was sie tat oder wie alt sie war.
“Das können wir uns schenken, findest du nicht auch, Jack? Das macht es nur kompliziert”, hatte sie gesagt. Mir war es egal. Mein Interesse an ihr ging nicht über das Sexuelle hinaus. Ich wusste, dass ich sie haben wollte (gab hinterher dem Alkohol die Schuld dafür), und wenn der Weg zum Ziel kürzer war, als sonst, sollte es mir recht sein. Diane hatte zwei Bier aus der Küche geholt und sich dann neben mich aufs Sofa gesetzt. Ich fühlte mich benebelt. Die ganze Atmosphäre hatte etwas Unwirkliches an sich. Als wir uns zu küssen begannen, wurde dieses Gefühl noch verstärkt. Ihre Lippen erschienen mir kalt, ihre Zunge fordernd, als suchte sie etwas. Ich packte sie an den Schultern, aber sie schob mich mit einem Mal von sich.
“Warte. Eines muss klar sein, Jack. Du kannst auf keinen Fall hier schlafen. Wenn es vorbei ist, wirst du gehen.” Sie blickte mich fragend an.
Ich dachte fast, sie wäre wütend, so stechend war ihr Blick.
“Klar”, sagte ich. Es war mehr ein Stöhnen, als eine Antwort. Dann war sie vom Sofa aufgestanden und hatte eine meiner Hände ergriffen. “Komm.” Sie führte mich ins Schlafzimmer, das ebenso kahl war, wie der Rest der Wohnung. Das Bett war der einzige Gegenstand im Raum. Von der Decke hing eine nackte Glühbirne, die rotes Licht in das Zimmer warf. Aber darauf achtete ich nur am Rande. Wir zogen uns aus und als ich damit fertig war, lag sie schon vollkommen nackt auf dem Bett. Ihr graziler Körper sah so zerbrechlich aus, als wäre er aus Marmor gemacht. Ein Teil von mir wollte sie nicht berühren, aber ich tat es doch. Die ganze Zeit über war sie seltsam unbeteiligt. Als ich in sie eindrang, glaubte ich, ein schwaches Stöhnen zu hören, aber ich war mir nicht sicher. Irgendwann achtete ich nicht mehr auf sie und als es schließlich vorbei war und ich neben ihr lag, mit einer Zigarette im Mund, fragte ich mich, was der Sinn dieser ganzen Aktion gewesen war. Es hatte nichts Aufregendes an sich gehabt; ich hätte ebenso gut zu Hause bleiben und das tun können, was ich jeden Abend tat, wenn ich duschte. Diane sagte nichts. Als ich mich zu ihr drehte, hatte sie die Augen geschlossen.
“Diane?” Keine Antwort. Ich fragte mich, was ich überhaupt an ihr gefunden hatte. Im “Wellingtons” war sie mir attraktiv und interessant erschienen. Aber als ich sie nun in diesem kalten Licht nackt neben mir liegen sah, fand ich sie sogar abstoßend. Es war fast so, als hätte sie sich vom schönen Schwan zum hässlichen Entlein zurückentwickelt. Ihre Haut hatte eine graue Färbung angenommen, ihr Körper erschien mir irgendwie verschrumpelt und kleiner, als wäre er verwelkt. Ihr Gesicht sah faltig aus und dunkle Schatten lagen darüber. Aber das konnte ebenso gut Einbildung sein. Das Licht der Glühbirne war sehr schwach. Ich berührte sie an der Schulter, wollte ihr sagen, dass ich jetzt gehen würde. Sie fühlte sich kalt an und nun ekelte ich mich regelrecht vor ihr. Sie wachte nicht auf, aber sie flüsterte etwas im Schlaf. Es war ein Name: Richard. Ich konnte es deutlich hören.
Schnell zog ich mich an. Dann ging ich in das kleine Bad, beugte mich über das Waschbecken und warf mir eine Handvoll Wasser ins Gesicht. Mir war übel. Als ich in den Spiegel sah, schrak ich zusammen und drehte mich blitzschnell um. Ein kleines Mädchen stand im Türrahmen und sah mich an. Sie hatte langes, schwarzes Haar und ihre Augen hatten einen seltsamen Glanz. Das Schlimmste aber war, dass sie vollkommen nackt war und einen alten, dreckigen Teddybären im Arm hielt, dessen eines bernsteinfarbenes Auge an einem Faden herab hing.
“Hallo, Jack.” Ihre Stimme war die einer erwachsenen Frau.
“Wer bist du?” Ich spürte, wie meine Nackenhaare sich sträubten, aber irgendetwas musste ich ja schließlich sagen.
“Mein Name ist Isabella.”
“Gut. Ich muss jetzt gehen, Isabella.”
Sie stand im Türrahmen und sah mich weiter an. Für einen Augenblick hatte ich die verrückte Idee, dass sie mich nicht aus dem Bad lassen würde, aber sie trat beiseite und machte ein trauriges Gesicht, das mir seltsam gespielt aussah.
“Schade. Kommst du bald wieder?”
“Ich… Nein, ich denke nicht.”
Dann ließ ich sie stehen und ging zur Eingangstür der Wohnung.
“Bis bald, Jack”, rief sie mir hinterher.
Dann hörte ich ein Kichern. Ich öffnete die Tür, trat hinaus und schlug sie hinter mir zu. Dann rannte ich die Treppe hinunter und immer weiter, bis ich wieder auf der “Fifth Avenue” war und mich in den Rinnstein erbrach…
Ja und wie es weitergeht, erfahren Sie im 4. Kapitel unseres Online Romans “Letzte Worte”. Kapitel 4 erscheint am 19.April !
Archiv:
1.Kapitel - JACK
2.Kapitel - DIANE
Ein Artikel von
Marc Wulfers 12. April 2007
Nachdem am vergangenen Donnerstag der erste Teil der ersten Online Romans erschien, geht es nun weiter mit “Letzte Worte” - eine spannende Geschichte um Jack Dawson. Lesen Sie hier das zweite Kapitel…

2. Kapitel: DIANE
Es war Sonntagabend, genau vor einer Woche, als ich sie traf. Ich hatte den ganzen Vormittag im Bett gelegen und dem Herbstregen gelauscht, der gegen die Scheibe meines Schlafzimmerfensters trommelte. Es gab keine Veranlassung aufzustehen. Ich hatte nichts zu tun und war erst am Abend mit Richard verabredet, der mir seine neueste Eroberung vorstellen wollte. Eigentlich mochte ich es nicht, zu dritt essen zu gehen. Besonders wenn man mit einem Pärchen essen geht, kommt man sich oft überflüssig vor. Aber Richard war unerbittlich gewesen. “Sie ist großartig, du wirst sie mögen”, hatte er mir am Telefon versichert. Das bezweifelte ich. Richard war ein Windhund und sein Interesse für Frauen verebbte meist nach kurzer Zeit wieder.
Nach zwölf Uhr war ich aufgestanden, hatte geduscht, gefrühstückt und bis zum Abend gelesen. Um acht Uhr hatte ich mich auf den Weg ins “Wellingtons” gemacht, einem schicken und völlig überteuerten Restaurant, das nur ein paar Blocks entfernt war, und in dem ich mit Richard und seiner neuen Flamme verabredet war. Es regnete immer noch, als ich aus dem Haus trat. Ich hatte keinen Schirm mit und ging schnell, sodass ich zwanzig Minuten vor der vereinbarten Zeit da war. Der Oberkellner, der sein Haar streng nach hinten gekämmt hatte und eine rote Weste und einen albern wirkenden, gezwirbelten Schnurrbart zur Schau trug, führte mich an einen freien Tisch, der sich in der Mitte des Saales befand. Ich bestellte mir einen Martini und fühlte mich beobachtet. Ständig schaute ich zum Eingang und die Zeit schien sich zu dehnen. Die Geräuschkulisse, die die verhaltenen Stimmen der anderen Gäste bildete, kam mir unwirklich vor. Lachsgeruch drang mir in die Nase und leise klassische Musik rieselte aus den Lautsprechern an der Decke auf mich herab. Dann klingelte mein Handy und für einen kurzen Moment verstummten die Gespräche an den Tischen in meiner Nähe. Ich merkte, wie ich rot wurde. “Ja?”, sagte ich.
“Ja, Jack? Hier ist Richard. Hör zu, alter Junge, es tut mir leid, aber wir müssen unser kleines Essen zu dritt verschieben.” Er klang irgendwie aufgedreht. Im Hintergrund konnte ich das hysterische Lachen einer Frau hören.
“Warum? Ich warte schon eine ganze Weile auf euch. Hättest du nicht eher bescheid sagen können?”
“Nein, ähm. Es hat sich kurzfristig was ergeben, weißt du. Ich erklärs dir nächstes Mal. Sei nicht sauer, okay?”
Und dann hatte er ohne ein weiteres Wort aufgelegt. “Schöne Bescherung”, flüsterte ich vor mich hin. Ich bezahlte den Martini und ging zur Bar hinüber. Dort setzte ich mich auf einen Hocker, von dem aus ich den Eingang sehen konnte, und bestellte mir einen Whisky. Pur natürlich! Meine Laune war schon so nicht besonders gut gewesen, aber nun verspürte ich geradezu ein Gefühl, das fast Wut gleichkam.
Als ich den zweiten Whisky trank, trat eine Frau durch die Eingangstür, und vertrieb mir plötzlich alle Gedanken an Richard aus dem Kopf. Sie fiel mir sofort auf. Sie war mittelgroß, hatte eine blonde Lockenmähne, blasse Haut, ein ernstes Gesicht und schwebte wie ein Geist durch den Saal. Sie ging zum Pult des Oberkellners, sprach mit ihm, machte ein verärgertes Gesicht und ging dann schnellen Schrittes auf die Bar zu. Sie kam direkt auf mich zu und sah mir dabei in die Augen. Es waren blaue, blasse und traurige Augen. Dann stand sie plötzlich wie eine Erscheinung neben mir.
“Ist hier noch frei?”
Ihre Stimme war fester und tiefer, als es ihr schlanker Körper vermuten ließ. Sie trug ein elegantes schwarzes Abendkleid. Ihre Haut kam mir wie Wachs vor.
“Ja, natürlich. Setzen Sie sich ruhig.”
Sie bestellte sich einen Whisky und steckte sich dann eine Zigarette an. Ich fragte mich, warum sie sich ausgerechnet neben mich gesetzt hatte. Schließlich war die ganze Bar frei gewesen. Ihre Nähe ließ mich unsicher werden. Ich kam mir fast schäbig neben ihr vor, in meinem schlichten Anzug. Dann drehte sie sich zu mir.
“Zigarette?”
“Ja, warum nicht.”
Ich nahm sie und sie gab mir Feuer. Ihre Hände waren sehr schlank und perfekt manikürt. Ich sah keinen Ring an ihnen. “Sie sehen aus, als wären Sie versetzt worden”, sagte sie.
“Und Sie?”, fragte ich.
“Ja.”
“Na ja, das hat ja auch sein Gutes. Sonst hätte ich nicht das Vergnügen, mit so einer bezaubernden Frau hier zu sitzen.”
Sie lachte. Es kam mir vor wie der Klang von Kirchenglocken. Rein und klar.
“Wie ist Ihr Name?”
“Jack-” Ich kam nicht dazu, ihr auch meinen Nachnamen zu nennen.
“Jack. Freut mich. Mein Name ist Diane.”
“Okay. Diane. Das ist ein schöner Name.”
Sie lachte wieder.
Wie es weitergeht, erfahren Sie im 3. Kapitel unseres Online Romans “Letzte Worte”. Aufgrund Ostern erscheint Kapitel 3 erst eine Woche später - am 12.April!
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1.Kapitel - JACK
Ein Artikel von
Marc Wulfers 29. März 2007
Deutschland liest gerne. Vor allem Jugendliche greifen wieder mehr zum Buch. Das zeigen diverse aktuelle Studien. theCliX.com schließt sich dem Trend an und bringt - passend zum Start der Leipziger Buchmesse - den ersten Roman online.
“Letzte Worte” - so der Name des Online Romans von Marc Wulfers - erzählt die spannende Geschichte um Jack Dawson. Tauchen Sie ein, in eine Welt von Geheimnissen, Verbrechen, emotionalen und grausamen Momenten. Jede Woche gibt es ein neues Kapitel.

1. Kapitel: JACK
Mein Name ist Jack. Jack Dawson. Aber mein Name spielt keine Rolle. Namen haben für mich keine Bedeutung mehr. Spielfiguren haben schließlich auch keine Namen. Denn das ist es, was ich geworden bin: eine Spielfigur, die sich nach den Würfeln richtet, die derjenige wirft, der mit einem spielt. Aber ich werde nicht über Los gehen und keine 200 Dollar einziehen, im Gegenteil. Ich habe verloren und bin pleite. Dies sind die letzten Worte, die ich je schreiben werde.
Alles begann vor einer Woche. Bis zu jenem Tag hatte ich ein normales Leben geführt, war nie polizeilich aufgefallen, war ein ordentlicher, rechtschaffener, sauberer und arbeitender Mann Mitte zwanzig gewesen, der in der Blüte seines Lebens stand. Wie sehr man in einer Woche doch altern kann! Ich arbeitete bei einer großen Versicherungsgesellschaft und hatte damit gerechnet, nach ein paar Jahren so viel Geld gespart zu haben, dass ich mir ein hübsches kleines Haus an der Ostküste leisten konnte - und später eine Frau, vielleicht zwei Kinder, einen Geländewagen, zweimal Urlaub im Jahr. Aber diese Dinge sind jetzt sehr weit weg. Meine Ziele sind bescheidener geworden. Oder auch höher, es kommt darauf an, wie man es betrachtet. Im Moment jedenfalls bin ich schon froh, wenn ich es irgendwie schaffe den nächsten Sonnenaufgang mitzuerleben. Sie werden mir sicher zustimmen, wenn ich Ihnen sage, dass ein Sonnenaufgang etwas Wunderschönes ist. Der Tag füllt sich mit Licht, das in alle Ritzen dringt und das Dunkel der Nacht, in denen unsere Geheimnisse uns zu schaffen machen, einfach wegwischt, und damit auch unsere dunklen Gedanken. Ein Sonnenaufgang hat viel Romantik an sich. Aber in meinem Fall ist es ein wenig anders. Wenn ich die Sonne aufgehen sehe, ist es, als habe ich das Versprechen bekommen, noch einen weiteren Tag leben zu dürfen. Und ich bete jede Nacht darum, noch einen weiteren Tag geschenkt zu bekommen. Doch jede Nacht schwindet die Hoffnung mehr und mehr. Letzte Nacht konnte ich spüren, dass meine Verfolger schon sehr nahe waren. Sie ziehen einen Kreis um mich, der jeden Tag enger wird.
Seit drei Tagen bin ich nun schon auf der Flucht vor ihnen, verstecke mich in verlassenen Häusern, esse Früchte aus dem Wald, wasche mich an Bächen. Und seit drei Nächten habe ich kein Auge zugetan. Die letzte Nacht verbrachte ich im Keller eines verlassenen Bauernhauses. Manchmal döste ich in der völligen Dunkelheit ein. Dann schrak ich jedes Mal auf, weil ich dachte, über mir Schritte auf den Holzdielen gehört zu haben. Es ist schwer, einen Schrei zu unterdrücken, wenn man von vollkommener Angst beherrscht wird. Meine Hand fährt mittlerweile automatisch zu meinem Mund, wenn ich schreien will.
Ich spüre, wie meine Kräfte schwinden. Lange werde ich das nicht mehr durchhalten können, das weiß ich. Und dann, wenn sie mich schließlich gefunden haben, werde ich eine leichte Beute sein. Der Wahnsinn kriecht in meine Eingeweide, ich kann ihn fühlen, wie er sich ausbreitet, als wäre er ein Krebsgeschwür. Während ich dies schreibe, driften meine Gedanken immer wieder ab. Ich kann mich kaum konzentrieren, was wohl auch daran liegt, dass es bald dunkel sein wird. Die Nacht wird bald wieder über mir sein. Wenn ich aus dem dreckigen Fenster blicke, sehe ich, wie die Bäume unheimliche Schatten werfen. Mir ist, als lauere in jedem dieser Schatten eine schreckliche Kreatur, die mich beobachtet. Ich kann mich kaum erinnern, wie ich in diesen Wald geraten bin. Ich muss die Fensterläden schließen, denn ich ertrage es nicht, zu sehen, wie die Dunkelheit in alle Ritzen kriecht. Vielleicht finde ich hier auch irgendwo eine Kerze…
Tatsächlich, ich habe eine Kerze gefunden, aber sie wird bald heruntergebrannt sein. Das heißt, dass ich mich beeilen muss. Ich werde mich bemühen, ordentlich zu schreiben, auch wenn meine Hände zittern und meine Augen zufallen wollen. Ich habe nicht die Hoffnung, dass dies jemals gefunden wird. Aber falls doch… Vielleicht ist es anderen eine Warnung.
Ein Gewitter ist aufgezogen. Der Regen trommelt auf das löchrige Dach. Ich werde in den Keller gehen müssen, damit meine Schrift nicht von den Regentropfen verwischt wird. Der Keller wird mich nicht vor ihnen schützen, aber ich fühle mich dennoch ein klein wenig sicherer dort. Wenigstens kann man die Luke von innen verriegeln.
Meine Eingeweide verkrampfen sich, mir ist übel und die Erschöpfung will mich in ihre Arme schließen. Aber ich darf nicht zulassen, dass sie mich schlafend finden. Ich weiß, dass sie heute Nacht kommen werden; ich spüre es. Das Gewitter erscheint mir wie ein Omen.
Ich habe in der Kellerwand einen lockeren Ziegel entdeckt, hinter dem ich diese Seiten verstecken werde. Gebe Gott, dass ich fertig mit Schreiben bin, bevor sie mich gefunden haben.
Ich muss mich beeilen, der Kreis, den sie ziehen, wird immer enger. Gleich der Schlinge des Galgens, die sich um den Hals des Opfers schließt. Mein Henker wird jedoch nicht barmherzig sein. Ich werde lange zappeln müssen, bevor ich Erlösung finde…
Wie es weitergeht, erfahren Sie im 2. Kapitel unseres Online Romans “Letzte Worte”. Kapitel 2 erscheint am 29.März!
Nehmen Sie aktiv teil: Wie finden Sie den ersten Teil? Wie könnte er weitergehen? Was würden Sie sich wünschen? Alles können Sie in unsere Kommentare schreiben.
Ein Artikel von
Marc Wulfers 22. März 2007